Nachhaltigkeits-Reporting-Standards implementieren

Anwendungsbereich

Anwendungsbereich

Zur Einordnung der Fallbeispiele und Methoden wird zwischen den Anwendungsbereichen Ziele, Strategie, Operatives & Projekte, Governance & Strukturen sowie Kultur & Führung unterschieden. Diese Kategorisierung orientiert sich am Praxismodell des nachhaltigen Innovationsmanagements und zeigt, in welchem thematischen Schwerpunkt ein Fallbeispiel oder eine Methode verortet ist.

Weitere Informationen zum Praxismodell finden Sie hier.

Governance & Strukturen

Zweck

Zweck

Zur Einordnung der Methoden wird zwischen Ideenentwicklung & Konzept, Orientierung & Analyse sowie Umsetzung & Bewertung unterschieden.

Die Kategorien geben an, welchen Beitrag die jeweilige Methode im Innovationsprozess leistet – von der Entwicklung erster Ideen über die systematische Analyse bis hin zur praktischen Umsetzung und Bewertung der Ergebnisse.

Umsetzung & Bewertung

Umsetzungsaufwand

Umsetzungsaufwand

Die Anforderungen sind in folgende Stufen aufgeteilt:

+ Gering:

Leicht verständlich · Wenig Vorkenntnisse nötig · Wenig Planungsaufwand · Keine externe Begleitung nötig

++ Moderat:

Vorkenntnisse hilfreich · Strukturierte Vorbereitung erforderlich · Moderation oder Anleitung sinnvoll

+++ Erhöht:

Fachlich anspruchsvoll · Erhöhter Planungs- und Analyseaufwand · Externe Begleitung meist erforderlich

+++ Erhöht

Immer mehr Unternehmen sind angehalten, ihre nachhaltigen Praktiken transparent zu dokumentieren.

Die vorgestellte Methode zeigt, wie organisatorische, technische und inhaltliche Schritte systematisch umgesetzt werden können, um regionale oder internationale Nachhaltigkeitsstandards (ESRS, ISSB, GRI 2021 ff.) zu messen, zu prüfen und regelmäßig zu veröffentlichen.

Ziele und Nutzen

Wie Ihr Unternehmen vom Nachhaltigkeitsreporting profitiert

Regulatorische Compliance (CSRD/ESRS, ggf. SEC Climate Rule)

Das Nachhaltigkeitsreporting hilft Unternehmen, neue gesetzliche Vorgaben wie die CSRD oder ESRS effizient zu erfüllen.

Auf diese Weise lassen sich rechtliche Risiken vermeiden und Prozesse standardisieren, um künftige Berichtspflichten mit geringem Aufwand umzusetzen.

Markt- & Finanzzugang (ISSB als „global baseline“)

Ein standardisiertes Nachhaltigkeitsreporting erhöht die Transparenz gegenüber Kapitalgebern und erleichtert den Zugang zu Finanzmitteln, insbesondere auf internationalen Märkten.

Risikoreduzierung durch systematisches ESG Monitoring

Durch das Erfassen und die Bewertung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Risikofaktoren können potenzielle Probleme frühzeitig erkannt und besser gesteuert werden.

Dies kann bspw. Lieferketten oder den Energieeinsatz des Unternehmens betreffen. Auf diese Weise kann die Resilienz gegenüber externen Schocks erhöht werden.

Reputations- und Innovationsvorteile

Ein etabliertes Nachhaltigkeitsreporting stärkt das Vertrauen von Kunden und Partnern und unterstützt Unternehmen dabei, schneller auf Markttrends zu reagieren und innovative Lösungen zu entwickeln.

Typische Vorgehensweise

Von den Pflichten zur Veröffentlichung: Das ist das grundsätzliche Vorgehen

Pflichtencheck und Gap-Analyse

  • Zu Beginn wird analysiert, welche gesetzlichen Anforderungen auf das Unternehmen zutreffen – etwa durch die CSRD, ESRS oder internationale Vorgaben wie die SEC Climate Rule.

  • In einer Gap-Analyse wird geprüft, welche Informationen, Prozesse und Systeme bereits vorhanden sind und wo Lücken bestehen, um den Handlungsbedarf systematisch zu identifizieren.

Governance etablieren

  • Für eine wirksame Umsetzung müssen Zuständigkeiten und Entscheidungsstrukturen benannt werden.

  • Dies geschieht in der Regel über die Einrichtung eines ESG-Steuerungskreises, die Definition von Rollen im Nachhaltigkeitsmanagement sowie die Formulierung von Richtlinien und Prozessen für eine verantwortungsvolle Berichterstattung.

Materialitätsanalyse und Stakeholderdialog

  • Die doppelte Wesentlichkeit bildet das Fundament der Nachhaltigkeitsberichterstattung nach ESRS.

  • Hierzu werden sowohl die finanziellen Auswirkungen auf das Unternehmen als auch die gesellschaftlichen und ökologischen Auswirkungen des Unternehmens bewertet.

  • Der Dialog mit internen und externen Stakeholdern ist dabei zentral, um Themen zu identifizieren.

Datenarchitektur und Prozesse aufbauen (ERP-Schnittstellen, Lieferantenplattform)

  • Um verlässliche Daten für das Reporting zu generieren, müssen geeignete digitale Strukturen eingeführt werden.

  • Dazu zählen Schnittstellen zu ERP-Systemen, Plattformen zur Lieferantendatenerfassung und die Integration weiterer Systeme wie IoT zur Datenerhebung entlang der Wertschöpfungskette.

KPI-Ermittlung und Kalkulation

  • Auf Basis der Anforderungen der gewählten Standards werden aussagekräftige Kennzahlen zu Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung ermittelt.

  • Dies umfasst unter anderem die Berechnung von Treibhausgasemissionen, Wasserverbrauch oder Diversitätsquoten, jeweils auf Grundlage valider Datensätze und nachvollziehbarer Berechnungslogiken.

Assurance-Vorbereitung

  • Zur Vorbereitung auf die externe Prüfung des Nachhaltigkeitsberichts wird ein internes Kontrollsystem aufgebaut, das die Datenqualität und Prozesssicherheit gewährleistet.

  • Gleichzeitig werden Prüfer frühzeitig einbezogen, um die Anforderungen an die Prüfmethodik, den Prüfungsumfang und die Nachweisdokumente abzustimmen.

Berichtserstellung und XBRL-Tagging

  • Die Berichtsinhalte werden entsprechend der gewählten Standards strukturiert, formuliert und in das Gesamtdokument eingebettet.

  • Für die digitale Einreichung, etwa bei ESRS, wird ein maschinenlesbares Format wie XBRL verwendet.

  • Die Veröffentlichung erfolgt je nach Anforderung im Lagebericht sowie auf der Unternehmenswebsite.

Kontinuierliches Monitoring und Update

  • Nach der Erstimplementierung müssen Veränderungen in den Standards, regulatorische Anpassungen oder neue Anforderungen laufend beobachtet und in die Prozesse integriert werden.

  • Nur so bleibt die Berichterstattung aktuell, compliant und anschlussfähig für externe Bewertungssysteme und Investorenanforderungen.

Anwendungsbeispiel

Tchibo: Integratives und methodisch fundiertes Nachhaltigkeitsreporting

Ein Beispiel für die praktische Umsetzung von Nachhaltigkeits-Reporting-Standards liefert das Unternehmen Tchibo. Tchibo erstellt seinen Nachhaltigkeitsbericht nach den international anerkannten GRI-Standards, die als führende Praxis für die öffentliche Berichterstattung zu ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen gelten.

  • Tchibo berichtet jährlich transparent über seine Nachhaltigkeitsstrategie, Ziele, Maßnahmen und Fortschritte in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.

  • Der Bericht orientiert sich an den GRI-Kriterien wie Genauigkeit, Ausgewogenheit, Verständlichkeit, Vergleichbarkeit, Zuverlässigkeit und Aktualität.

  • Die Berichterstattung umfasst Themen wie Klimaschutz, Ressourcenschonung, faire Arbeitsbedingungen in der Lieferkette und gesellschaftliches Engagement.

  • Die Einhaltung der Standards wird regelmäßig überprüft und weiterentwickelt, um den steigenden Anforderungen an Transparenz und Vergleichbarkeit gerecht zu werden.

 

Nachhaltigkeitsreporting als Grundlage und Motor für nachhaltige Innovation

  • Tchibo nutzt die Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht nur als Kontrollinstrument, sondern laut eigener Aussage auch als Innovationsmotor: Durch die systematische Analyse von Daten und Kennzahlen werden Potenziale für nachhaltige Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle identifiziert.

  • Die Integration der Berichterstattung in die Unternehmensstrategie fördert die Entwicklung neuer, nachhaltiger Lösungen und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit.

 


https://www.tchibo-nachhaltigkeit.de/media/pages/mm_download-files/da942b8caa-1737978378/tchibo_gri_nachhaltigkeitsbericht_2022-23_de_neu.pdf

Gut zu wissen

Erfolgsfaktoren im Überblick

Verantwortung auf Leitungsebene

Nachhaltigkeitsberichterstattung ist keine ausschließliche Aufgabe der Fachabteilung.

Hierzu ist die Zusammenarbeit von Geschäftsführung, Finanzleitung und Nachhaltigkeitsverantwortlichen gefordert. So werden Prioritäten gesetzt und die Umsetzung in allen Unternehmensbereichen wird sichergestellt.

 

Frühzeitiges Daten-Mapping auf ESRS/ISSB-Taxonomie

Ein rechtzeitiges Zuordnen bestehender Daten zu den relevanten Berichtspflichten erleichtert die spätere Berichterstattung und verhindert doppelte Arbeit oder Inkonsistenzen.

Integrierte IT-Lösung

Die Einbettung von ESG-Daten in bestehende IT-Systeme ermöglicht eine automatisierte, nachvollziehbare und skalierbare Datenerfassung und reduziert Fehlerquellen durch manuelle Verarbeitung.

Externe Assurance Readiness – Prozesse prüfbar, Evidenzen dokumentiert

Nur wenn ESG-Daten nachvollziehbar erhoben und mit geeigneten Nachweisen belegt sind, kann eine externe Prüfung erfolgen – ein entscheidender Schritt zur Glaubwürdigkeit des Reportings.

Schulung & Kulturwandel – Reporting als Lern- und Innovationsmotor begreifen

Mitarbeitende müssen befähigt und motiviert werden, Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht nur als Pflicht, sondern als Chance zur Verbesserung und Innovation im Unternehmen zu nutzen.

Weiterführende Informationen

Weitere Orientierung für die Nachhaltigkeitsberichterstattung

Bayerisches Landesamt für Umwelt (2022): Handlungshilfe: In 10 Schritten zur CSRD-Nachhaltigkeitsberichterstattung. Teil des Bausteins „Vom Umwelt- zum Nachhaltigkeitsmanagement“ im Online-Tool „Nachhaltigkeitsmanagement für KMU“. Erstellt im Rahmen des Umwelt- und Klimapakts Bayern, in Kooperation mit dem Bayerischen Industrie- und Handelskammertag. Infozentrum UmweltWirtschaft (IZU). Augsburg. Abgerufen am 20. August 2025 von https://www.umweltpakt.bayern.de/werkzeuge/nachhaltigkeitsmanagement/module.htm?m=1#vom

Brennan, S., Gonzalez, R. B., & Subramoni, A. (2024). Sustainability regulation outlook 2024. Abgerufen am 20. Mai 2025 von Deloitte: https://www.deloitte.com/us/en/insights/topics/environmental-socialgovernance/sustainability-regulation-outlook.html

Grant Thornton. (2023). Overview of IFRS S1 and IFRS S2. Abgerufen am 20. Mai 2025 von Grant Thornton: https://www.grantthornton.global/contentassets/5d149df5047c4ed087316b9442d2c4ed/overview-of-ifrs-s1-and-ifrs-s2.pdf.

Europäische Kommission. (n. d.). Corporate sustainability reporting. Abgerufen am 20. Mai 2025 von Europäische Kommission: https://finance.ec.europa.eu/capital-markets-union-and-financial-markets/company-reporting-and-auditing/company-reporting/corporate-sustainability-reporting_en

pwc. 2023. ESG-Strategie und -Reporting im Mittelstand. Abgerufen am 15. August 2025 von pwc: https://www.pwc.de/de/mittelstand/esg-strategie-und-reporting-im-mittelstand.html.

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