Visioning

Anwendungsbereich

Anwendungsbereich

Zur Einordnung der Fallbeispiele und Methoden wird zwischen den Anwendungsbereichen Ziele, Strategie, Operatives & Projekte, Governance & Strukturen sowie Kultur & Führung unterschieden. Diese Kategorisierung orientiert sich am Praxismodell des nachhaltigen Innovationsmanagements und zeigt, in welchem thematischen Schwerpunkt ein Fallbeispiel oder eine Methode verortet ist.

Weitere Informationen zum Praxismodell finden Sie hier.

Ziele, Kultur & Führung

Zweck

Zweck

Zur Einordnung der Methoden wird zwischen Ideenentwicklung & Konzept, Orientierung & Analyse sowie Umsetzung & Bewertung unterschieden.

Die Kategorien geben an, welchen Beitrag die jeweilige Methode im Innovationsprozess leistet – von der Entwicklung erster Ideen über die systematische Analyse bis hin zur praktischen Umsetzung und Bewertung der Ergebnisse.

Orientierung & Analyse

Umsetzungsaufwand

Umsetzungsaufwand

Die Anforderungen sind in folgende Stufen aufgeteilt:

+ Gering:

Leicht verständlich · Wenig Vorkenntnisse nötig · Wenig Planungsaufwand · Keine externe Begleitung nötig

++ Moderat:

Vorkenntnisse hilfreich · Strukturierte Vorbereitung erforderlich · Moderation oder Anleitung sinnvoll

+++ Erhöht:

Fachlich anspruchsvoll · Erhöhter Planungs- und Analyseaufwand · Externe Begleitung meist erforderlich

+++ Erhöht

Beim Visioning entwickeln Organisationen ein gemeinsames, normatives Zukunftsbild und leiten daraus strategische Stoßrichtungen, Innovationsprojekte und Veränderungsprozesse ab.

Entworfen wird ein wünschenswertes Zukunftsbild, das in den Strategieprozess eingebettet werden kann.

Vision im Strategieprozess

 

Ziele und Nutzen

Innovation durch Vision

Langfristige Orientierung und Motivation

Eine klar formulierte Vision stiftet mehr als nur ein Zielbild – sie gibt einer Organisation langfristige Orientierung und motiviert Teams, auch über kurzfristige Hürden hinweg am großen Ganzen festzuhalten.

Mitarbeitende können ihre Arbeit leichter in einen übergeordneten Kontext einordnen und verstehen, welchen Beitrag sie selbst leisten.

Ideenfindung und Innovationskultur

Visioning eröffnet Freiräume, in denen neue Ideen entstehen und ungewöhnliche Ansätze willkommen sind.

Das bewusste Denken „über den Tellerrand hinaus“ ermöglicht es, bestehende Strukturen zu hinterfragen und innovative Konzepte zu entwickeln.

Durch den gemeinsamen Blick in mögliche Zukünfte entsteht eine offene Innovationskultur, die Mitarbeitende ermutigt, mutige Vorschläge einzubringen.

Strategische Weichenstellung

Wenn Märkte unsicher sind oder Rahmenbedingungen sich schnell verändern, hilft eine starke Vision, eindeutige Prioritäten zu setzen und Ressourcen gezielt einzusetzen.

Sie dient als Orientierung für strategische Entscheidungen und unterstützt die Fokussierung auf zukunftsrelevante Projekte.

Darüber hinaus wirkt sie als Kommunikationsinstrument: nach innen stärkt sie den Zusammenhalt, nach außen macht sie Innovationsvorhaben nachvollziehbar und glaubwürdig.

Typische Vorgehensweise

Schritt für Schritt zur überzeugenden Vision

Ziel und Rahmen

  • Zu Beginn des Prozesses wird definiert, welche zentralen Fragen durch das Visioning beantwortet werden sollen.

  • Beispielsweise kann es darum gehen, wie ein Unternehmen in zehn Jahren wirtschaften möchte oder welche Rolle es in seiner Branche und Gesellschaft einnehmen will.

  • In diesem Schritt wird zudem der Zeithorizont festgelegt – üblich sind Zeiträume von fünf, zehn oder zwanzig Jahren.

  • Ebenso wird bestimmt, wer am Prozess beteiligt wird, beispielsweise Führungskräfte, Mitarbeitende oder externe Stakeholder.

 

 

Analyse und Inspiration

  • Um eine Basis für die Visionsentwicklung zu schaffen, werden relevante Trends, Megatrends, Kundenbedürfnisse und gesellschaftliche Werte analysiert.

  • Dies geschieht häufig in Workshops oder durch Desk Research.

  • Inspirierende Beispiele erfolgreicher (aber auch gescheiterter) Visionen aus anderen Unternehmen oder Branchen helfen dabei, mögliche Chancen und Herausforderungen frühzeitig zu erkennen.

Entwicklung der Vision

  • In diesem kreativen Schritt werden mithilfe von Methoden wie Storytelling, Mindmapping oder Zukunftswerkstätten verschiedene Zukunftsbilder entwickelt.

  • Ziel ist es, eine oder mehrere plausible und zugleich attraktive Visionen zu formulieren.

  • Diese werden hinsichtlich ihrer Machbarkeit, Anschlussfähigkeit an bestehende Strategien sowie ihrer inspirierenden Wirkung geprüft. Eine überzeugende Vision sollte emotional ansprechend, klar formuliert und langfristig motivierend sein.

Validierung und Feinschliff

  • Die entworfene Vision wird mit verschiedenen Stakeholdern diskutiert, um unterschiedliche Perspektiven einfließen zu lassen und die Akzeptanz zu erhöhen.

  • Dazu gehören neben der Geschäftsführung und den Mitarbeitenden häufig auch Kunden, Investoren oder – je nach Kontext – die breite Öffentlichkeit.

  • In dieser Phase wird die Vision weiter konkretisiert:

    • Welche Werte sollen verkörpert werden?

    • Welcher Kundennutzen soll geschaffen werden?

    • Welche gesellschaftliche Rolle strebt das Unternehmen an?

Implementierung und Kommunikation

  • Damit die Vision nicht nur eine abstrakte Idee bleibt, sondern aktiv in die Unternehmensstrategie einfließt, wird sie in die interne und externe Kommunikation integriert.

  • Sie kann bspw. als Leitbild in der Unternehmenskultur verankert oder als Grundlage für strategische Programme, Innovationsinitiativen und Marketingmaßnahmen genutzt werden.

  • Darüber hinaus werden erste Projekte definiert, die konkret zur Umsetzung der Vision beitragen, beispielsweise in den Bereichen Produktentwicklung oder Personalstrategie.

Monitoring und Weiterentwicklung

  • Eine Vision sollte regelmäßig überprüft und gegebenenfalls weiterentwickelt werden.

  • Alle zwei bis drei Jahre kann eine Reflexion stattfinden, um sicherzustellen, dass die Vision weiterhin relevant, inspirierend und umsetzbar ist.

  • Falls sich äußere Rahmenbedingungen oder interne Strategien ändern, kann die Vision angepasst oder geschärft werden, um langfristig als Orientierungspunkt zu dienen.

Anwendungsbeispiel

Visioning in der Praxis: Fallstudie zum Ernährungssystem

In der Fallstudie „Design capability when visioning for transitions: A case study of a new food system“ wird ein Projekt beschrieben, bei dem eine Agentur eine zukunftsfähige Vision für das Ernährungssystem entwickelt. Dieses Vorhaben war Teil eines Konsortiums, das an der Transformation des Lebensmittelsystems arbeitete.

Durchgeführte Schritte im Visioning-Prozess:

  1. Zukunftsorientierte Szenarienentwicklung: Die Agentur arbeitete mit verschiedenen Stakeholdern zusammen, um Szenarien für ein nachhaltiges Ernährungssystem zu entwickeln.

  2. Integration verschiedener Perspektiven: Durch die Einbeziehung unterschiedlicher Akteure wurden verschiedene Perspektiven in den Visioning-Prozess integriert, um eine realistische Vision zu schaffen.

  3. Kollaborative Gestaltung: Der Prozess förderte die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Disziplinen und Interessengruppen, um innovative Lösungen für die Transformation des Ernährungssystems zu entwickeln.

Erfolge des Projekts:

  • Kohärente Vision: Das Projekt führte zur Entwicklung einer kohärenten Vision für ein nachhaltiges Ernährungssystem.

  • Stakeholder-Engagement: Die aktive Beteiligung verschiedener Stakeholder stärkte das Engagement und die Unterstützung für die vorgeschlagenen Veränderungen.

  • Innovative Lösungen: Durch den kollaborativen Ansatz wurden innovative Lösungen entwickelt, die zur Transformation des Ernährungssystems beitragen können.

Insgesamt zeigt die Fallstudie, wie Visioning als strategisches Werkzeug eingesetzt werden kann, um komplexe Transformationen zu steuern und eine gemeinsame Richtung für alle Beteiligten zu etablieren.

 


Goss, H. M., Tromp, N., & Schifferstein, H. N. J. (2024). Design capability when visioning for transitions: A case study of a new food system. Design Studies, 91–92, Article 101246. https://doi.org/10.1016/j.dest

Gut zu wissen

Tipps für nachhaltige Ergebnisse

Gemeinsame Wertebasis und Beteiligung

Eine Vision entfaltet ihr bestes Ergebnis, wenn sie von den Menschen im Unternehmen getragen wird.

Werden Mitarbeitende, Führungskräfte und relevante Stakeholder einbezogen, spiegeln sich ihre Werte und Perspektiven im Ergebnis wider.

Das steigert nicht nur die Akzeptanz, sondern auch das Engagement für die Umsetzung. So wird die Vision zu einem echten Gemeinschaftsprojekt, das Orientierung und Zusammenhalt schafft.

 

Klarer, inspirierender Kern

Eine Vision soll sich nicht im Detail verlieren, sondern auf den Punkt gebracht werden – klar, einprägsam und inspirierend.

Ein solches Leitbild funktioniert wie ein „Nordstern“, der im Alltag Orientierung gibt. Wenn die Botschaft emotional anspricht und leicht weiterzugeben ist, wird sie im Unternehmen lebendig und verankert sich einfacher in Entscheidungsprozessen und Kommunikation.

Balance zwischen Ambition und Realisierbarkeit

Visionen dürfen ruhig groß gedacht werden, um Orientierung und Motivation zu bieten.

Gleichzeitig müssen sie so gestaltet sein, dass konkrete Handlungen ableitbar bleiben.

Eine gute Balance zwischen ambitionierten Zielen und realistischen Ansätzen verhindert, dass die Vision als bloßer Wunschtraum wahrgenommen wird. Stattdessen motiviert sie dazu, Etappenziele konsequent anzusteuern.

Übersetzung in Strategien und Projekte

Erst wenn eine Vision in konkrete Maßnahmen überführt wird, kann sie Wirkung zeigen. Dazu gehören Roadmaps, Innovationsprogramme oder Veränderungsinitiativen, die Schritt für Schritt die Umsetzung sichern.

Diese Übersetzung in den Arbeitsalltag macht die Vision greifbar und zeigt, wie sich abstrakte Ziele in konkrete Ergebnisse verwandeln. So entsteht ein verbindlicher Fahrplan, der Orientierung und Verbindlichkeit gewährleistet.

Weiterführende Informationen

Vertiefendes Informationsmaterial für Interessierte

Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI. (o. D.). Visioning. Abgerufen am 11. März 2025, von https://www.isi.fraunhofer.de/de/competence-center/foresight/methoden/visioning.html

Horton, A. (1999): „A simple guide to successful foresight.“ Foresight. 1(1), S. 5–9. https://doi.org/10.1108/14636689910802052

Hines, A. & Bishop, P. (2006): Thinking about the Future: Guidelines for Strategic Foresight. Social Technologies,  10(1), S. 79–80. https://doi.org/10.1108/14636680810856044

van der Helm, R. (2009): „The vision phenomenon: Towards a theoretical underpinning of visions of the future and the process of envisioning.“ Future, 41(2), S. 96-104. Abgerufen am 11. März 2025 von https://doi.org/10.1016/j.futures.2008.07.036

  

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