Die SDG-Analyse ist ein strukturiertes Verfahren, um Geschäftsmodelle, Produkte, Prozesse oder Services auf ihre Beiträge zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung - den sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs) - zu bewerten und Optimierungs- bzw. Innovationspotenziale abzuleiten.
Übersicht der 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen
Ziele und Nutzen
Die SDG-Analyse: nicht nur nachhaltig, sondern auch wirtschaftlich klug
Strategische Ausrichtung
Eine SDG-Analyse zeigt, welche globalen Nachhaltigkeitsthemen für Branche und Wertschöpfungskette besonders wichtig sind.
Unternehmen können auf diese Weise Prioritäten setzen, Investitionen steuern und Wettbewerbsvorteile langfristig sichern.
Nachhaltigkeit wird damit fester Bestandteil der Unternehmensstrategie.
Identifikation von Innovationsfeldern
Das Mapping auf die SDGs macht sichtbar, wo neue Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse entstehen können.
So lassen sich Innovationen entwickeln, die wirtschaftlichen Erfolg mit gesellschaftlichem Nutzen verbinden – etwa durch ressourcenschonende Produktion oder kreislauforientierte Geschäftsmodelle.
Reputations- und Risikomanagement
Die SDG-Analyse liefert einen Rahmen, um regulatorische Risiken früh zu erkennen und Stakeholder-Anforderungen zu erfüllen.
Das stärkt Vertrauen bei Kunden, Investoren und Partnern und erhöht die Resilienz gegenüber Markt- und Reputationsrisiken.
Kooperationschancen
Da die SDGs weltweit anerkannt sind, erleichtern sie den Aufbau von Partnerschaften in Lieferketten, mit NGOs oder in Förderprojekten.
Unternehmen profitieren von neuem Know-how, besseren Marktchancen und gemeinsamen Lösungen für komplexe Nachhaltigkeitsherausforderungen.
Typische Vorgehensweise
So wird die SDG-Analyse typischerweise angewandt
Zielsetzung und Scope
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Zu Beginn der SDG-Analyse muss festgelegt werden, ob das gesamte Unternehmen, einzelne Produktlinien oder spezifische Projekte betrachtet werden sollen. Dies beeinflusst die Tiefe und den Umfang der Analyse.
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Eine klare Definition des Scopes stellt sicher, dass die Analyse zielgerichtet erfolgt und relevante Daten erhoben werden.
Identifikation relevanter SDGs
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Im nächsten Schritt wird bestimmt, welche der 17 SDGs für das Unternehmen besonders relevant sind.
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Dies geschieht durch interne Diskussionen mit Teams oder Stakeholdern sowie durch die Analyse von Branchenleitfäden und den UN-Unterzielen.
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Dabei sollten sowohl Chancen als auch Risiken für das Unternehmen berücksichtigt werden.
Datenerhebung und Bewertung
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Für die ausgewählten SDGs werden qualitative und quantitative Indikatoren erfasst.
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Neben internen Datenquellen können externe Informationen, wie nationale Statistiken oder Branchenreports, zur Bewertung herangezogen werden.
Priorisierung und Aktionsplanung
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Die gesammelten Daten werden analysiert und in einer Matrix oder Scorecard dargestellt, um die wichtigsten SDGs für das Unternehmen zu priorisieren.
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Basierend darauf werden konkrete Maßnahmen abgeleitet, die zur Zielerreichung beitragen und strategisch umgesetzt werden können.
Umsetzung und Monitoring
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Die geplanten Maßnahmen werden umgesetzt und deren Fortschritt kontinuierlich anhand zuvor definierter Kennzahlen überprüft.
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Falls notwendig, müssen Anpassungen vorgenommen werden, um die Effektivität der Maßnahmen zu gewährleisten.
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Regelmäßiges Monitoring stellt sicher, dass die SDG-Ziele langfristig in die Unternehmensstrategie integriert bleiben.
Berichterstattung
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Schließlich erfolgt die interne und externe Berichterstattung über die erzielten Fortschritte.
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Dies kann im Rahmen bestehender Nachhaltigkeitsstandards wie der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) oder den Global Reporting Initiative (GRI)-Standards erfolgen.
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Transparente Kommunikation stärkt das Vertrauen von Stakeholdern und ermöglicht eine kontinuierliche Weiterentwicklung der SDG-Strategie.
Anwendungsbeispiel
VAUDEs systematische SDG-Integration und Analyse
VAUDE verankert die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) als zentrale Referenz in der Entwicklung seiner Unternehmensstrategie. In einer eigens veröffentlichten Ausarbeitung mit dem Titel „Unser Beitrag zu den nachhaltigen Entwicklungszielen“ als Teil der Nachhaltigkeitsberichterstattung beantwortet das Unternehmen für jedes einzelne SDG, wie VAUDE seine Verantwortung auf nationaler und globaler Ebene wahrnimmt und welche konkreten Beiträge im eigenen Unternehmen sowie in der Lieferkette geleistet werden.
Diese SDG-Orientierung bildet zugleich die Basis für ein Managementsystem, das auf dem „Balanced Scorecard“-Ansatz aufbaut. VAUDE integriert zuvor definierte Kennzahlen in den Planungs- und Budgetierungszyklus und veröffentlicht die Fortschritte im VAUDE Nachhaltigkeitsbericht.
Der integrative Ansatz der SDG-Analyse bei VAUDE zeigt, wie Nachhaltigkeit nicht nur als Kommunikation, sondern als wissenschaftlich fundiertes Steuerungsinstrument wirkt: Die Kombination aus zielgerichteter SDG-Bezugnahme, strukturiertem Kennzahlmanagement und extern validierten Standards schafft die Grundlage, um Beiträge zur globalen Agenda sowohl strategisch als auch operativ zu gestalten – und zu veröffentlichen.
VAUDE. 2024. Unser Beitrag zu den nachhaltigen Entwicklungszielen. In: Nachhaltigkeitsbericht 2023. Abgerufen am 15. August 2025 von: https://nachhaltigkeitsbericht.vaude.com/archiv/2023/gri/csr-standards/nachhaltige-entwicklungsziele.html
Gut zu wissen
Vier Faktoren, die die SDG-Analyse wirksam machen
Klare Priorisierung
Eine wirksame SDG-Analyse erfordert, die für das Unternehmen wichtigsten Ziele zu identifizieren, anstatt alle 17 SDGs gleich zu behandeln.
Ein produzierendes KMU könnte sich z. B. vorrangig auf „Nachhaltiger Konsum und Produktion“ (SDG 12) und „Maßnahmen zum Klimaschutz“ (SDG 13) konzentrieren. So werden Ressourcen für die Themen eingesetzt, die den größten Einfluss auf Geschäftsmodell und Umwelt haben.
Interdisziplinäres Team
Die Einbindung verschiedener Fachbereiche – etwa Einkauf, Produktion, Marketing und F&E – erhöht die Qualität und Praxisnähe der Analyse.
So kann z. B. der Einkauf nachhaltige Lieferantenkriterien einbringen, während F&E innovative Produktideen entwickelt.
Die Vielfalt an Perspektiven führt zu fundierteren Entscheidungen und realistischen Umsetzungsstrategien.
Stakeholder-Dialog
Ein regelmäßiger Austausch mit internen und externen Stakeholdern steigert die Akzeptanz und die Glaubwürdigkeit der Analyse.
Beispielsweise kann ein Unternehmen Feedback von Lieferanten, Kunden und NGOs einholen, um die SDG-Priorisierung zu schärfen und Daten zu sammeln.
Dieser Dialog fördert zudem Transparenz und Vertrauen in den Nachhaltigkeitsprozess.
Regelmäßiges Monitoring
Regelmäßige Überprüfungen und Anpassungen stellen sicher, dass die SDG-Strategie wirksam bleibt.
Ein Praxisbeispiel wäre ein jährlicher Review-Workshop, bei dem Fortschritte anhand definierter Kennzahlen bewertet und neue Maßnahmen beschlossen werden.
So bleibt die Analyse flexibel und kann auf Markt- oder Gesetzesänderungen reagieren.
Weiterführende Informationen
Hier erfahren Sie mehr zu den Sustainable Development Goals
Bayerisches Landesamt für Umwelt (2022): SDG-Wegweiser im Online-Tool „Nachhaltigkeitsmanagement für KMU“. Erstellt im Rahmen des Umwelt- und Klimapakts Bayern, in Kooperation mit dem Bayerischen Industrie- und Handelskammertag. Infozentrum UmweltWirtschaft (IZU). Augsburg. Abgerufen am 20. August 2025 von https://www.umweltpakt.bayern.de/werkzeuge/nachhaltigkeitsmanagement/module.htm?m=1#sdg
GRI, UN Global Compact, & WBCSD. (2015). SDG Compass: The guide for business action on the SDGs. Abgerufen am 20. August 2025 von United Nationas Global Compact: https://unglobalcompact.org/library/3101
Internetredaktion LpB BW. (2023). 17 SDGs: Ziele für nachhaltige Entwicklung. Abgerufen am 20. August 2025 von Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg: https://www.lpb-bw.de/17-sdgs
United Nations. (n.d.). Sustainable Development Goals. Abgerufen von United Nations 25. September 2025: https://sdgs.un.org/goals
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Quelle: Vereinte Nationen (https://www.un.org/sustainabledevelopment/news/communications-material/)