Eine Nachhaltigkeitsroadmap ist ein strategischer Plan, der zentrale Nachhaltigkeitsziele – etwa Klimaneutralität, Ressourcenschonung oder faire Arbeitsbedingungen – sowie die dazugehörigen Meilensteine und Maßnahmen in zeitlicher Abfolge darstellt. Im Mittelpunkt dieser Methode steht die Visualisierung der erforderlichen Schritte in einer solchen Roadmap.
Ziele und Nutzen
Wie eine Roadmap Nachhaltigkeit visualisiert
Langfristige Orientierung
Eine Nachhaltigkeitsroadmap macht sichtbar, wie einzelne Maßnahmen auf langfristige Ziele einzahlen – vom ersten Pilotprojekt bis zur vollständigen Umsetzung.
Durch das Verankern von konkreten Zielen entsteht ein Fahrplan, der Orientierung für alle Abteilungen bietet und Versäumnisse frühzeitig erkennt, sodass Maßnahmen ergriffen werden können, um das Ziel nicht zu gefährden.
Transparenz und Kommunikation
Mit einer Roadmap können Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsstrategie nicht nur intern, sondern auch extern verständlich darstellen.
Ein produzierendes Unternehmen könnte etwa den Zeitplan für die Einführung kreislauffähiger Verpackungen veröffentlichen, um Kunden und Lieferanten einzubinden. Solche transparenten Kommunikationsinstrumente bilden Vertrauen und stärken die Markenreputation.
Integration in Innovationsprozesse
Die zeitliche Verknüpfung von F&E-Projekten, Produktentwicklungen und Prozessoptimierungen mit den Nachhaltigkeitszielen erleichtert eine ganzheitliche Strategieumsetzung.
So kann die Einführung eines neuen, ressourcenschonenden Produktionsverfahrens in den Innovationsfahrplan aufgenommen werden, damit Forschung, Technik und Markteinführung reibungslos ineinandergreifen.
Priorisierung von Ressourcen
Meilensteine helfen, Investitionen strategisch zu steuern.
Beispielsweise kann ein Unternehmen zunächst in energiesparende Beleuchtungssysteme investieren, weil sich diese innerhalb weniger Jahre amortisieren und gleichzeitig CO₂-Emissionen senken. Erst danach folgen aufwendigere Projekte wie der Bau eigener Photovoltaikanlagen. So werden ökologische und wirtschaftliche Ziele optimal kombiniert.
Typische Vorgehensweise
In sieben Schritten zur Umsetzung
Definition von Ziel und Scope
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Als Erstes wird der thematische Rahmen der Nachhaltigkeitsroadmap festgelegt.
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Unternehmen müssen entscheiden, ob der Fokus auf spezifische Nachhaltigkeitsziele wie Klimaneutralität oder Ressourcenschonung gelegt wird oder ob eine umfassendere Betrachtung aller ESG-Dimensionen erfolgt.
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Dabei ist die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD 2022) eine Orientierungshilfe, da sie Anforderungen an die Berichterstattung und die Offenlegung nachhaltigkeitsbezogener Informationen definiert.
Grundlagenanalyse
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Eine fundierte Datenbasis ist Grundlage für die Entwicklung einer realistischen und wirksamen Roadmap.
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Dazu werden interne Daten wie Energie- und Materialflüsse, CO₂-Emissionen und betriebliche Prozesse erhoben.
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Gleichzeitig müssen externe Faktoren, darunter regulatorische Anforderungen, Marktentwicklungen und Stakeholder-Erwartungen, analysiert werden.
Roadmap-Strukturierung
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Eine strukturierte Roadmap erleichtert die strategische Planung und Ressourcenallokation.
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Für eine klare Umsetzungsstrategie wird die Roadmap daher in zeitliche und inhaltliche Kategorien gegliedert.
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Ein gängiges Modell teilt Maßnahmen in kurz-, mittel- und langfristige Zeithorizonte ein.
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Gleichzeitig werden Handlungsfelder definiert, die für das Unternehmen relevant sind, wie nachhaltige Produktion, Produktdesign, organisatorische Strukturen und Lieferkettenmanagement.
Meilensteine und Maßnahmen definieren
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Jede Phase der Roadmap sollte durch konkrete Meilensteine gekennzeichnet sein.
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Diese Ziele sollen SMART sein – spezifisch, messbar, erreichbar, relevant und terminierbar.
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Um diese Ziele zu erreichen, werden Maßnahmen, wie Investitionen in erneuerbare Energien, nachhaltige Produktinnovationen oder Forschungs- und Entwicklungsprojekte, festgelegt.
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Die Ellen MacArthur Foundation betont hierbei die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft als wesentlichen Bestandteil nachhaltiger Geschäftsstrategien.
Integration in den Innovationsprozess
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Da Unternehmen oft begrenzte Ressourcen haben, müssen Maßnahmen hinsichtlich ihrer Machbarkeit und Wirkung priorisiert werden.
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Hierbei spielen Faktoren wie Kosten, benötigte Ressourcen, regulatorische Anforderungen, Stakeholder-Interessen und ökologische Auswirkungen eine Rolle.
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Methoden wie die Lebenszyklusanalyse (LCA) unterstützen dabei, verschiedene Maßnahmen systematisch zu bewerten und die wirkungsvollsten priorisiert umzusetzen.
Implementierung und Monitoring
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Die definierten Maßnahmen müssen nun umgesetzt und in die bestehenden Unternehmensprozesse integriert werden.
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Parallel dazu ist ein kontinuierliches Monitoring erforderlich, um Fortschritte zu messen und bei Abweichungen frühzeitig Anpassungen vorzunehmen.
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Dies kann durch regelmäßige Berichterstattung, KPI-gestützte Dashboards oder Audits erfolgen.
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Die CSRD 2022 fordert hierbei eine transparente und nachvollziehbare Dokumentation der Fortschritte.
Kommunikation
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Eine glaubwürdige und transparente Kommunikation ist entscheidend, um interne und externe Stakeholder über die Nachhaltigkeitsstrategie zu informieren.
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Dazu gehören Nachhaltigkeitsberichte, Updates auf der Unternehmenswebsite und regelmäßige Mitarbeiterversammlungen.
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Dies fördert nicht nur das Vertrauen der Stakeholder, sondern kann auch die Markenreputation stärken und Wettbewerbsvorteile schaffen.
Anwendungsbeispiel
Aus der Praxis: Wie die Jakob Müller Holding ihre Nachhaltigkeitsstrategie mittels Roadmap strukturiert
Ausgangslage
Die Jakob Müller Holding AG, ein international tätiges Schweizer Traditionsunternehmen mit rund 1.000 Mitarbeitenden, hatte bereits erste Nachhaltigkeitsmaßnahmen umgesetzt. Um diese strategisch zu bündeln und an regulatorische Vorgaben sowie Stakeholder-Erwartungen anzupassen, sollte gemeinsam mit Swiss Climate eine Nachhaltigkeits-Roadmap entwickelt werden. Ziel war es, zentrale Handlungsfelder zu definieren und bestehende Initiativen in einen strukturierten Rahmen einzubetten.
Vorgehen und Umsetzung
Zu Beginn erfolgte eine Bestandsaufnahme der bisherigen Aktivitäten und unternehmerischen Ambitionen. In einem kompakten Workshop priorisierten Unternehmensvertreter und Swiss Climate die wesentlichen Handlungsfelder, legten Arbeitspakete fest und definierten Zuständigkeiten sowie Ressourcen. Die Ergebnisse wurden anschließend aufbereitet und in einen klaren Fahrplan überführt.
Ergebnis
Die Nachhaltigkeits-Roadmap liefert der Jakob Müller Holding einen transparenten Überblick über priorisierte Maßnahmen, Verantwortlichkeiten und Zeitpläne. Sie stärkt die strategische Verankerung von Nachhaltigkeit im Unternehmen und bietet eine belastbare Grundlage für die zielgerichtete Weiterentwicklung des nachhaltigen Engagements.
Swiss Climate. Case study: Jakob Müller Holding – Nachhaltigkeit mit Plan: Gemeinsame Erarbeitung einer Nachhaltigkeits-Roadmap. Swiss Climate. Abgerufen am 12. August 2025 von https://www.swissclimate.ch/assets/uploads/20250527_Case-Study-Jakob-Mueller-Holding_NH-Roadmap_final.pdf
Gut zu wissen
Erfolgsfaktoren für die Praxis
Regelmäßige Aktualisierung
Eine Nachhaltigkeits-Roadmap ist kein starres Dokument, sondern sollte regelmäßig überprüft und angepasst werden.
Marktveränderungen, technologische Entwicklungen oder neue gesetzliche Anforderungen können schnell zu veränderten Prioritäten führen.
Eine regelmäßige Aktualisierung stellt sicher, dass Maßnahmen realistisch bleiben und Ressourcen zielgerichtet eingesetzt werden.
Klare Verantwortlichkeiten
Für jedes definierte Arbeitspaket sollten feste Verantwortliche benannt werden, die sowohl für die Umsetzung als auch für die Fortschrittskontrolle zuständig sind.
Dies erleichtert die Koordination, verhindert Verzögerungen und sorgt für klare Kommunikationswege.
In der Praxis hat es sich bewährt, Verantwortlichkeiten teamübergreifend zu verteilen, um Know-how aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen zu nutzen.
Messbare Meilensteine
Damit die Roadmap nicht nur als strategische Absichtserklärung dient, sollten alle Etappen mit quantifizierbaren Zielen hinterlegt werden.
Beispiele sind die „Reduzierung des Energieverbrauchs um 15 % bis Ende 2026“ oder die „Umstellung von 50 % des Fuhrparks auf E-Mobilität bis 2028“. Diese messbaren Meilensteine schaffen Transparenz und ermöglichen eine objektive Erfolgskontrolle.
Einbindung relevanter Stakeholder
Der Erfolg einer Nachhaltigkeits-Roadmap hängt stark von der Akzeptanz der beteiligten Akteure ab.
Mitarbeiter, Lieferanten, Kunden und weitere Stakeholder sollten frühzeitig eingebunden werden – etwa durch Workshops, Feedbackrunden oder Pilotprojekte.
So wird sichergestellt, dass geplante Maßnahmen praxistauglich sind, Synergien genutzt werden und mögliche Widerstände früh erkannt werden.
Weiterführende Informationen
Weitere Quellen für die Anwendung
Ellen MacArthur Foundation. (n. d.). Abgerufen am 18. Februar 2025 von https://ellenmacarthurfoundation.org/
Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI. (o. D.). Roadmapping. Abgerufen am 11. März 2025 von Fraunhofer-Institut für System- und
Innovationsforschung ISI: https://www.isi.fraunhofer.de/de/competence-center/foresight/methoden/roadmapping.html.
Phaal, R., Farrukh, C., & Probert, D. (2004). Technology roadmapping – A planning framework for evolution and revolution. Technological Forecasting and Social Change, 71(1), S. 5–26. https://doi.org/10.1016/S0040-1625(03)00072-6
Schuh, G. & Dölle, C. (2021). Sustainable innovation: Nachhaltig Werte schaffen. Springer Vieweg.
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Quelle: © Fraunhofer ISI, Abteilung Foresight