Life Cycle Assessment

Anwendungsbereich

Anwendungsbereich

Zur Einordnung der Fallbeispiele und Methoden wird zwischen den Anwendungsbereichen Ziele, Strategie, Operatives & Projekte, Governance & Strukturen sowie Kultur & Führung unterschieden. Diese Kategorisierung orientiert sich am Praxismodell des nachhaltigen Innovationsmanagements und zeigt, in welchem thematischen Schwerpunkt ein Fallbeispiel oder eine Methode verortet ist.

Weitere Informationen zum Praxismodell finden Sie hier.

Operatives & Projekte, Governance & Strukturen

Zweck

Zweck

Zur Einordnung der Methoden wird zwischen Ideenentwicklung & Konzept, Orientierung & Analyse sowie Umsetzung & Bewertung unterschieden.

Die Kategorien geben an, welchen Beitrag die jeweilige Methode im Innovationsprozess leistet – von der Entwicklung erster Ideen über die systematische Analyse bis hin zur praktischen Umsetzung und Bewertung der Ergebnisse.

Umsetzung & Bewertung

Umsetzungsaufwand

Umsetzungsaufwand

Die Anforderungen sind in folgende Stufen aufgeteilt:

+ Gering:

Leicht verständlich · Wenig Vorkenntnisse nötig · Wenig Planungsaufwand · Keine externe Begleitung nötig

++ Moderat:

Vorkenntnisse hilfreich · Strukturierte Vorbereitung erforderlich · Moderation oder Anleitung sinnvoll

+++ Erhöht:

Fachlich anspruchsvoll · Erhöhter Planungs- und Analyseaufwand · Externe Begleitung meist erforderlich

+++ Erhöht

Die Lebenszyklusanalyse (Engl.: Life Cycle Assessment, LCA) dient der ganzheitlichen Umweltbewertung von Produkten, Dienstleistungen oder ganzen Geschäftsmodellen über den gesamten Lebenszyklus hinweg – von der Rohstoffgewinnung über Produktion, Distribution und Nutzung bis zur Entsorgung oder Wiederverwendung.

Der Produktlebenszyklus besteht vereinfacht aus fünf Phasen: 

  1. Gewinnung von Rohstoffen
  2. Herstellung & Verarbeitung
  3. Transport & Vertrieb
  4. Nutzung & (Einzel-)Handel
  5. Abfallentsorgung & Recycling

Ziele und Nutzen

Vier Gründe, warum sich eine Lebenszyklusanalyse für Unternehmen lohnt

Transparenz über Umweltwirkungen

Mit einer LCA erhalten Unternehmen Daten über die Umweltwirkungen ihrer Produkte entlang des gesamten Lebenszyklus – von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung.

So lässt sich z. B. erkennen, ob der größte CO₂-Fußabdruck bei der Herstellung, Nutzung oder im Transport entsteht. Diese Transparenz kann bspw. die Grundlage für Verbesserungen und Entscheidungen in Sachen Nachhaltigkeit sein.

Einsparpotenziale identifizieren

Durch die Analyse von Material- und Energieflüssen zeigt die LCA auf, wo Ressourcen effizienter eingesetzt oder Emissionen reduziert werden können.

Beispielsweise kann ein Unternehmen feststellen, dass der Einsatz eines alternativen Verpackungsmaterials nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch kostengünstiger ist. So werden ökologische und ökonomische Vorteile kombiniert.

Wettbewerbsvorteile durch glaubwürdige Kommunikation

Unternehmen, die ihre Umweltwirkungen mit einer LCA belegen können, steigern ihre Glaubwürdigkeit gegenüber Kunden, Partnern und Investoren.

Ein mittelständischer Möbelhersteller kann etwa mit einer zertifizierten LCA zeigen, dass seine Produkte im Vergleich zur Konkurrenz einen geringeren ökologischen Fußabdruck haben – ein starkes Verkaufsargument im B2B wie B2C.

 

Vorbereitung auf regulatorische Anforderungen

Mit einer LCA sind Unternehmen gut vorbereitet auf kommende gesetzliche Anforderungen im Bereich Ökobilanzierung, Ökodesign oder CO₂-Reporting. Wer z. B. in Zukunft verpflichtet ist, Umweltinformationen im Rahmen der CSRD offenzulegen, hat mit einer vorhandenen LCA bereits belastbare Daten und Prozesse zur Hand – statt kurzfristig reagieren zu müssen.

Typische Vorgehensweise

In vier Schritten zur Lebenszyklusanalyse

Ziel, Untersuchungsrahmen und Systemgrenzen festlegen

  • Im ersten Schritt wird festgelegt, welches Ziel mit der LCA verfolgt wird und welcher Untersuchungsrahmen zugrunde liegt.

  • Dabei wird bestimmt, welche Lebenszyklusphasen des Produkts betrachtet werden sollen – von der Rohstoffgewinnung über die Nutzung bis zur Entsorgung.

  • Gleichzeitig werden sogenannte Systemgrenzen definiert, also wie detailliert und tiefgehend Prozesse bilanziert werden.

  • Außerdem wird festgelegt, welche Datensätze verwendet werden sollen, bspw. unternehmensspezifische Produktionsdaten oder öffentlich zugängliche Umweltdatenbanken.

Dieser Schritt bildet die Grundlage für die Analyse und entscheidet über deren Aussagekraft.

Sachbilanz

  • Anschließend erfolgt die Erhebung aller relevanten Stoff- und Energieströme über den gesamten Lebenszyklus des Produkts hinweg.

  • Dazu gehören unter anderem Rohstoffe, Betriebsstoffe, Energieverbräuche, Emissionen, Abfälle oder Abwasser.

  • Die Erfassung erfolgt meist durch Methoden wie Stoffstromanalysen oder Materialflusskostenrechnungen.

  • Ziel ist es, die Input- und Outputmengen möglichst vollständig und genau zu quantifizieren.

Diese Sachbilanz bildet die Datenbasis für die spätere Bewertung der Umweltauswirkungen und ist daher ein zentraler Schritt für die Aussagekraft der gesamten Analyse.

Wirkungsabschätzung

  • Basierend auf den Daten der Sachbilanz wird im dritten Schritt ermittelt, welche konkreten Umweltauswirkungen mit dem Produkt verbunden sind.

  • Die erfassten Stoffströme werden dabei bestimmten Umweltwirkungskategorien zugeordnet, wie bspw. Klimawandel, Ressourcenknappheit, Versauerung oder Ozonabbau.

  • Für jede dieser Kategorien werden sogenannte Wirkungsindikatorwerte berechnet, z. B. CO₂-Äquivalente für Treibhausgase.

  • Diese Werte stammen häufig aus anerkannten Datenbanken wie ProBas des Umweltbundesamts oder aus speziellen Softwaretools zur Ökobilanzierung.

Die Wirkungsabschätzung macht deutlich, an welchen Stellen im Lebenszyklus die größten Umweltwirkungen entstehen.

Auswertung

  • Abschließend werden die Ergebnisse der Wirkungsabschätzung interpretiert und zusammengefasst.

  • Dabei geht es nicht nur um die Darstellung der Umweltauswirkungen, sondern auch um die Identifikation von Verbesserungspotenzialen.

  • Sensitivitätsanalysen können helfen, kritische Einflussfaktoren zu erkennen, etwa besonders emissionsintensive Materialien oder Prozesse. 

  • Auf dieser Grundlage lassen sich konkrete Handlungsempfehlungen ableiten, um ökologische Optimierungen in der Produktentwicklung oder Produktion umzusetzen.

Die Auswertung liefert damit wertvolle Impulse für nachhaltige Innovationen im Unternehmen.

Anwendungsbeispiel

Die LCA am Beispiel eines nachhaltig konzipierten Segelboots

Die Lebenszyklusanalyse wurde im Rahmen eines Entwicklungsprojekts für ein nachhaltiges Segelboot eingesetzt, um die Umweltwirkungen des Produkts systematisch zu bewerten. Die folgende Beschreibung zeigt, wie der LCA-Prozess konkret durchgeführt wurde und welche praktischen Erkenntnisse daraus für die Produktoptimierung gewonnen wurden:

  1. Ziel und Untersuchungsrahmen: Es sollten alle Phasen von der Rohstoffgewinnung über die Fertigung bis zur Entsorgung abgebildet werden. Dazu wurden Systemgrenzen festgelegt und konkrete Material- und Prozessdaten gesammelt – etwa für den Boots-Rumpf aus Naturfasern und Harzsystemen, das Deck, das Segel sowie Zusatzkomponenten wie Ruder und Beschläge.

  2. Sachbilanz: Sämtliche Stoff- und Energieströme wurden dokumentiert. Dazu zählten Materialmengen, Energieverbrauch, Transportwege und Emissionen. Die Daten wurden mithilfe der Software OpenLCA und der Datenbank ecoinvent verarbeitet. 

  3. Wirkungsabschätzung: Die Umweltwirkungen wurden neun Wirkungskategorien zugeordnet, darunter Klimawandel, Feinstaubbelastung, Versauerung, Ozonbildung und Ressourcenverbrauch. Besonders hohe Auswirkungen zeigten sich bei der Herstellung des Rumpfes und der Harze.

  4. Auswertung: In der abschließenden Phase der Auswertung wurden die kritischsten Komponenten identifiziert. Daraus ergaben sich gezielte Ansätze zur ökologischen Optimierung – etwa durch die Reduktion von Harzanteilen oder die Materialsubstitution. 

Die LCA lieferte so wertvolle Entscheidungsgrundlagen für ein nachhaltigeres Design, belegte Verbesserungen mit belastbaren Daten und half, ökologische Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und gezielt zu beheben.


Gräper, D. (2023). Modell zur Bewertung der Nachhaltigkeit eines technischen Produkts in der interdisziplinären Produktentwicklung am Beispiel von sail.Ing OWL. Universität Paderborn. https://www.vdi.de/fileadmin/pages/vdi_de/redakteure/vor_ort/bv/owl/dateien/Studienarbeit_SailIng_Graeper.pdf

Gut zu wissen

Diese Faktoren machen den Unterschied

Klare Zieldefinition und Systemgrenzen

Nur wenn von Beginn an festgelegt ist, was mit der LCA erreicht werden soll und welche Lebenszyklusphasen betrachtet werden, kann die Analyse zielführend sein. Eine zu enge oder zu breite Abgrenzung führt schnell zu falschen Schlussfolgerungen oder einem unnötig hohen Aufwand. Die Systemgrenzen müssen dabei zur Fragestellung und zur betrieblichen Realität passen.

 

Verfügbarkeit und Qualität der Daten

Die Aussagekraft der LCA steht und fällt mit den zugrunde liegenden Daten. Fehlen belastbare Informationen zu Materialien, Energieeinsatz oder Transportwegen, wird das Ergebnis ungenau. Deshalb ist es entscheidend, sowohl interne Betriebsdaten als auch hochwertige externe Datenquellen (z. B. ecoinvent) gezielt zu kombinieren.

Integration in Entwicklungs- oder Entscheidungsprozesse

Die LCA entfaltet ihren vollen Nutzen, wenn sie nicht isoliert durchgeführt wird, sondern Teil von Produktentwicklung, Beschaffung oder Nachhaltigkeitsstrategie ist. Nur so können Verbesserungspotenziale auch tatsächlich umgesetzt und ökologische Aspekte frühzeitig berücksichtigt werden.

Fachlich fundierte Durchführung

Die Erstellung einer LCA erfordert methodisches Wissen, z. B. bei der Wirkungsabschätzung oder der Interpretation der Ergebnisse. Eine sorgfältige Schulung, die Einbindung von Fachleuten oder die Nutzung geeigneter Softwaretools sind wichtige Voraussetzungen für eine zuverlässige Analyse.

Ergebnisorientierte Kommunikation

Ein LCA-Bericht sollte nicht nur Zahlen liefern, sondern verständlich darstellen, wo Handlungsbedarf besteht und welche Maßnahmen sinnvoll sind. Eine klare und zielgruppengerechte Aufbereitung der Ergebnisse – z. B. für Technik, Management oder Kunden – erhöht die Akzeptanz und Wirkung der Analyse erheblich.

Weiterführende Informationen

Hier lesen Sie mehr über LCA

Stanford Doerr School of Sustainability - Environmental Assessment and Optimization Group. (n.d.). Life cycle assessment. Abgerufen am 18. September 2025 von Standford University: https://eao.stanford.edu/research-project/life-cycle-assessment

Life Cycle Initiative. (2023). Life Cycle Initiative. Abgerufen am 17. September 2025 von https://www.lifecycleinitiative.org

Gebäudeforum Klimaneutral. (2025). Ökobilanzierung (Life Cycle Assessment, LCA). Abgerufen am 18. September 2025 von Gebäudeforum Klimaneutral: https://www.gebaeudeforum.de/wissen/nachhaltiges-bauen-undsanieren/lebenszyklusbetrachtung/oekobilanzierung-lca/

Öko-Institut. (n. d.). Abgerufen am 25. September 2025 von https://www.oeko.de/

Schuh, G. & Dölle, C. (2021). Sustainable innovation: Nachhaltig Werte schaffen. Springer Vieweg.

VDI Zentrum Ressourceneffizienz. (n. d.). Ökobilanz – DIN EN ISO 14040/44. https://www.ressource-deutschland.de/leitfaden-re/methoden/oekobilanz-din-en-iso-14040/44/

 

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