Anwendungsbeispiel
Die LCA am Beispiel eines nachhaltig konzipierten Segelboots
Die Lebenszyklusanalyse wurde im Rahmen eines Entwicklungsprojekts für ein nachhaltiges Segelboot eingesetzt, um die Umweltwirkungen des Produkts systematisch zu bewerten. Die folgende Beschreibung zeigt, wie der LCA-Prozess konkret durchgeführt wurde und welche praktischen Erkenntnisse daraus für die Produktoptimierung gewonnen wurden:
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Ziel und Untersuchungsrahmen: Es sollten alle Phasen von der Rohstoffgewinnung über die Fertigung bis zur Entsorgung abgebildet werden. Dazu wurden Systemgrenzen festgelegt und konkrete Material- und Prozessdaten gesammelt – etwa für den Boots-Rumpf aus Naturfasern und Harzsystemen, das Deck, das Segel sowie Zusatzkomponenten wie Ruder und Beschläge.
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Sachbilanz: Sämtliche Stoff- und Energieströme wurden dokumentiert. Dazu zählten Materialmengen, Energieverbrauch, Transportwege und Emissionen. Die Daten wurden mithilfe der Software OpenLCA und der Datenbank ecoinvent verarbeitet.
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Wirkungsabschätzung: Die Umweltwirkungen wurden neun Wirkungskategorien zugeordnet, darunter Klimawandel, Feinstaubbelastung, Versauerung, Ozonbildung und Ressourcenverbrauch. Besonders hohe Auswirkungen zeigten sich bei der Herstellung des Rumpfes und der Harze.
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Auswertung: In der abschließenden Phase der Auswertung wurden die kritischsten Komponenten identifiziert. Daraus ergaben sich gezielte Ansätze zur ökologischen Optimierung – etwa durch die Reduktion von Harzanteilen oder die Materialsubstitution.
Die LCA lieferte so wertvolle Entscheidungsgrundlagen für ein nachhaltigeres Design, belegte Verbesserungen mit belastbaren Daten und half, ökologische Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und gezielt zu beheben.
Gräper, D. (2023). Modell zur Bewertung der Nachhaltigkeit eines technischen Produkts in der interdisziplinären Produktentwicklung am Beispiel von sail.Ing OWL. Universität Paderborn. https://www.vdi.de/fileadmin/pages/vdi_de/redakteure/vor_ort/bv/owl/dateien/Studienarbeit_SailIng_Graeper.pdf