Circular- bzw. Eco-Design bezeichnet eine ganzheitliche Gestaltungsstrategie, die Produkte, Prozesse und Services so entwirft, dass sie umweltverträglich und ressourceneffizient sind. Das Kernziel der Circular-Design- bzw. Eco-Design-Methode besteht in der Schließung von Materialkreisläufen.
Ziele und Nutzen
Kosten sparen, Wettbewerbsvorteile sichern und Zukunftsfähigkeit steigern
Ressourceneffizienz steigern
Ein reduzierter Material- und Energieeinsatz über den Produktlebenszyklus kann etwa durch modulare Bauweisen – wie bei Fairphone – oder durch leichte, effiziente Materialien wie Aluminium oder Faserverbundstoffe in der Automobilindustrie erreicht werden.
Abfall und Emissionen reduzieren
Kreislauffähige Produkte lassen sich reparieren, aufarbeiten oder recyceln, wodurch Abfallaufkommen und CO₂-Ausstoß sinken. Das Textilunternehmen Vaude bietet bspw. Rücknahme- und Reparaturservices für Outdoor-Kleidung an, was die Lebensdauer verlängert und Emissionen senkt.
Vom Wettbewerb abheben
Unternehmen können sich mit langlebigen, umweltfreundlicheren Produkten von Billigware abheben und gleichzeitig Kosten sparen. Der Möbelhersteller Wilkhahn setzt auf hochwertiges, kreislauffähiges Design und gewinnt damit sowohl Designpreise als auch umweltbewusste Kundschaft.
Compliance und Risikominimierung
EU-Richtlinien zum Ökodesign und wachsende Umweltanforderungen der Verbraucher und Verbraucherinnen machen Circular- bzw. Eco-Design zunehmend zum geforderten Standard. Unternehmen wie Bosch integrieren Ökodesign-Prinzipien frühzeitig in ihre Produktentwicklung, um regulatorische Risiken zu vermeiden.
Von der Linearwirtschaft zur Kreislaufwirtschaft
Typische Vorgehensweise
Ihr Weg zum kreislauffähigen Produkt in sechs Schritten
Ziel und Umfang festlegen
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Zu Beginn werden Umfang und Zielsetzung des Projekts eindeutig festgelegt. Dabei wird definiert, ob das gesamte Produkt, einzelne Komponenten oder ein begleitender Service im Hinblick auf Kreislauffähigkeit optimiert werden sollen.
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Diese Entscheidung ist richtungsweisend für die nachfolgenden Schritte im Design- und Umsetzungsprozess.
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Zusätzlich werden die relevanten ökologischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen analysiert, um eine tragfähige und fundierte Strategie zu entwickeln.
Material und -prozessanalyse
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In diesem Schritt erfolgt eine detaillierte Bestandsaufnahme des aktuellen Produktdesigns sowie der verwendeten Materialien und Produktionsprozesse. Dabei werden Energieverbräuche, Materialflüsse und potenzielle Abfallmengen analysiert, um Schwachstellen und Optimierungspotenziale zu identifizieren.
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Eine Lebenszyklusanalyse (LCA) kann dabei unterstützen, die ökologischen Auswirkungen einzelner Komponenten zu bewerten.
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Ziel ist es, nachhaltige Alternativen für problematische Materialien oder ineffiziente Prozesse zu finden.
Eine Ecodesign-Checkliste des VDI Zentrum Ressourceneffizienz mit impulsgebenden Fragen zu den Bereichen
- Materialwahl und -reduktion,
- Produktion,
- Transport und Distribution,
- Nutzung und
- Kreislaufschließung
finden Sie hier.
Ideenentwicklung und -bewertung
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Auf Basis der Analyse werden kreative Lösungsansätze entwickelt, um das Produkt kreislauffähiger zu gestalten.
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Mögliche Strategien umfassen beispielsweise eine höhere Recyclingfähigkeit, den Einsatz langlebiger oder biologisch abbaubarer Materialien, modulare Bauweisen zur einfacheren Reparatur oder das Refurbishing gebrauchter Produkte.
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Die verschiedenen Optionen werden in Simulationen oder durch Kosten-Nutzen-Analysen bewertet, um die ökologisch und wirtschaftlich sinnvollsten Lösungen auszuwählen.
Testphase und Prototypen
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In dieser Phase werden Materialien, Produktionsmethoden und Produktfunktionen in Form von Prototypen oder Testmodellen auf ihre Praxistauglichkeit überprüft.
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Eine ergänzende LCA kann dazu beitragen, die Umweltbilanz des neuen Designs systematisch mit jener des ursprünglichen Produkts zu vergleichen.
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Durch iterative Tests lassen sich mögliche Schwächen frühzeitig erkennen und Anpassungen vornehmen, bevor das Produkt in die Serienproduktion geht.
Umsetzung und Markteinführung
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Nach der Designoptimierung erfolgt die Serienproduktion, wobei die Lieferketten für nachhaltige Materialien und Prozesse angepasst werden müssen.
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Vertriebskanäle werden geschult und Kommunikationsstrategien angepasst, um Kunden über die ökologischen Vorteile zu informieren.
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Oft werden auch Geschäftsmodelle – etwa Miet-, Leasing- oder Rücknahmeangebote – angepasst, um die Kreislauffähigkeit zu fördern.
Monitoring, Optimierung und End-of-Life-Management
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Kreislauforientiertes Produktdesign erfordert langfristige Strategien für das End-of-Life-Management.
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Unternehmen müssen Rücknahmesysteme schaffen, um gebrauchte Produkte oder Komponenten zurückzuführen und wiederzuverwerten, einschließlich Reparatur, Wiederaufbereitung und Recycling.
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Kontinuierliches Monitoring von Kundenfeedback und Rücknahmedaten fließt in neue Designzyklen ein, um Produkte nachhaltiger zu gestalten und zu verbessern.
Anwendungsbeispiel
The Circular Design Guide unterstützt die praktische Umsetzung
Die Ellen MacArthur Foundation hat gemeinsam mit der Innovationsberatung IDEO den Circular Design Guide entwickelt – eine praxisorientierte Sammlung aus Methoden, Tools und Workshop-Materialien, die Unternehmen dabei unterstützt, zirkuläre Prinzipien systematisch in ihre Produkt- und Geschäftsmodellentwicklung zu integrieren.
Der Guide bietet unter anderem:
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Schritt-für-Schritt-Methoden, um bestehende Produkte auf Wiederverwendbarkeit, Recyclingfähigkeit oder Modularität zu überprüfen. Beispiel: Ein KMU aus der Möbelbranche kann mithilfe der „Product Journey Map“ analysieren, an welchen Punkten im Lebenszyklus der größte Abfall entsteht – und diese gezielt redesignen.
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Design-Thinking-Workshops, die auch ohne externe Berater durchgeführt werden können. Diese helfen Teams, neue Ideen für zirkuläre Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln. Beispiel: Ein Hersteller von Haushaltsgeräten kann in einem Workshop neue Miet- oder Rücknahmemodelle entwerfen.
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Inspiration durch Fallstudien – etwa von Firmen wie Philips oder IKEA, die Produkte langlebiger, reparierbarer und kreislauffähiger gestaltet haben. Diese Praxisbeispiele bieten Orientierung für kleinere Unternehmen, die ähnliche Wege einschlagen möchten.
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Checklisten und Canvas-Modelle, z. B. der „Circular Business Model Canvas“, mit dem Unternehmen neue, ressourcenschonende Geschäftsmodelle entwickeln können, etwa Produkt-als-Service-Modelle.
Der Guide ist kostenlos online verfügbar und eignet sich besonders für Unternehmen, die eigenständig erste Schritte in Richtung Circular Economy machen wollen – ohne sofort umfassende Strategieprozesse oder Beratungsleistungen starten zu müssen.
Ellen MacArthur Foundation. (n.d.). Circular design guide: Methods. Abgerufen am 3. April 2025 von https://www.ellenmacarthurfoundation.org/circular-design-guide/methods.
Gut zu wissen
Worauf es ankommt, um den Kreislauf zu schließen
Ganzheitlicher Lifecycle-Ansatz
Ein zirkuläres Design erfordert die Betrachtung aller Phasen des Produktlebenszyklus – von der Materialgewinnung über Produktion und Nutzung bis zur Rückführung. Nur so lassen sich Umweltauswirkungen ganzheitlich reduzieren und Potenziale für Wiederverwendung und Recycling gezielt nutzen.
Kooperation innerhalb der Lieferketten
Zirkuläre Lösungen gelingen nur im Zusammenspiel aller Beteiligten. Die enge Abstimmung mit Lieferanten, Produzenten, Logistik- und Recyclingpartnern schafft Transparenz, ermöglicht geschlossene Materialkreisläufe und fördert gemeinsame Standards.
Kundenorientierte Kommunikation
Um zirkuläre Produkte erfolgreich am Markt zu platzieren, müssen ökologische Vorteile klar und verständlich kommuniziert werden. Eine glaubwürdige Ansprache fördert das Vertrauen und motiviert Kunden, nachhaltige Alternativen zu wählen.
Iteration und Lernbereitschaft
Circular- bzw. Eco-Design ist ein fortlaufender Lernprozess. Pilotprojekte, Nutzerfeedback und Anpassungen sind entscheidend, um Lösungen zu entwickeln und auf neue Anforderungen flexibel reagieren zu können.
Weiterführende Informationen
Detaillierte Informationen und finden Sie hier
Bocken, N., Ritala, P., Albareda, L., & Verburg, R. (2019). Innovation for Sustainability. London: Palgrave Macmillan Cham. Abgerufen am 01. April 2025 von https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-319-97385-2
Braungart, M. (2022). Cradle-to-Cradle Designkonzept. Abgerufen am 01. April 2025 von Micheal Braungart: https://michaelbraungart.com/cradle-to-cradle/
Ellen MacArthur Foundation. (2024). Circular design guide: Methods. Abgerufen am 03. April 2025 von Ellen MacArthur Foundation: https://www.ellenmacarthurfoundation.org/circular-designguide/methods
VDI Zentrum Ressourceneffizienz. (n.d.). Ecodesign-Checkliste. Abgerufen am 15. August 2025 von https://www.ressource-deutschland.de/fileadmin/user_upload/3_Werkzeuge/c_Loesungsentwicklung/Ressourcensprint_PE/Phase_2_Ecodesign-Checkliste.pdf
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Quelle: ©Jacqueline Ullmann für das Fraunhofer FIT