Suchfeldanalyse

Anwendungsbereich

Anwendungsbereich

Zur Einordnung der Fallbeispiele und Methoden wird zwischen den Anwendungsbereichen Ziele, Strategie, Operatives & Projekte, Governance & Strukturen sowie Kultur & Führung unterschieden. Diese Kategorisierung orientiert sich am Praxismodell des nachhaltigen Innovationsmanagements und zeigt, in welchem thematischen Schwerpunkt ein Fallbeispiel oder eine Methode verortet ist.

Weitere Informationen zum Praxismodell finden Sie hier.

Operatives & Projekte, Strategie

Zweck

Zweck

Zur Einordnung der Methoden wird zwischen Ideenentwicklung & Konzept, Orientierung & Analyse sowie Umsetzung & Bewertung unterschieden.

Die Kategorien geben an, welchen Beitrag die jeweilige Methode im Innovationsprozess leistet – von der Entwicklung erster Ideen über die systematische Analyse bis hin zur praktischen Umsetzung und Bewertung der Ergebnisse.

Orientierung & Analyse

Umsetzungsaufwand

Umsetzungsaufwand

Die Anforderungen sind in folgende Stufen aufgeteilt:

+ Gering:

Leicht verständlich · Wenig Vorkenntnisse nötig · Wenig Planungsaufwand · Keine externe Begleitung nötig

++ Moderat:

Vorkenntnisse hilfreich · Strukturierte Vorbereitung erforderlich · Moderation oder Anleitung sinnvoll

+++ Erhöht:

Fachlich anspruchsvoll · Erhöhter Planungs- und Analyseaufwand · Externe Begleitung meist erforderlich

++ Moderat

Die Suchfeldanalyse dient als strategischer Kompass, um verborgene Kundenbedürfnisse und unerschlossene Marktpotenziale aufzudecken. In einem Umfeld stetiger Trends und hoher Informationsflut hilft sie, relevante Signale von bloßem Rauschen zu trennen.

Dadurch lassen sich Strategien zielgerichtet auf die tatsächlichen Anforderungen der Zielgruppe ausrichten und nachhaltiger Markterfolg sichern.

Ziele und Nutzen

Die Vorteile der Suchfeldanalyse im Überblick

Frühzeitiges Erkennen nachhaltiger Chancen

Unternehmen behalten Megatrends wie Kreislaufwirtschaft oder "Zero Waste" im Blick und können daraus frühzeitig Geschäftschancen ableiten. Dies kann bspw. durch den Einsatz besonders langlebiger Materialien in der Textilindustrie, durch modulare Bauweise im Maschinenbau oder durch den Einsatz von Mehrwegsystemen im Einzelhandel geschehen.

Risikominimierung

Durch die Analyse regulatorischer Entwicklungen (z. B. EU-Lieferkettengesetz oder CO₂-Bepreisung) können Unternehmen frühzeitig Anpassungen im Portfolio vornehmen, etwa bei der Wahl nachhaltiger Materialien oder durch die Zusammenarbeit mit Zulieferern.

Strategische Priorisierung

Die Methode liefert Entscheidungsgrundlagen, mit denen Forschung und Entwicklung, Marketing sowie Investitionen gezielt auf zukunftsträchtige Bereiche ausgerichtet werden können. Durch die Bewertung von Trends, Risiken und Marktpotenzialen lassen sich Fehlinvestitionen frühzeitig vermeiden.

Langfristige Wettbewerbsfähigkeit

Die frühe Erkennung nachhaltiger Marktchancen verschafft Unternehmen einen zeitlichen Vorsprung, um Produkte und Services kundenzentriert zu entwickeln.
Weniger Wettbewerb in der Anfangsphase erlaubt es, Angebote gründlicher zu testen, zu verbessern und zur Marktreife zu bringen. So entstehen qualitativ überlegene Lösungen, die Alleinstellungsmerkmale für den Kunden bieten.

Typische Vorgehensweise

Von der Ideenfindung zur Innovation: Der Prozess der Suchfeldanalyse

Definition eines Suchraums

Zunächst werden der Umfang und das Ziel der Analyse festgelegt. Dabei wird bestimmt, ob der Fokus auf spezifischen Technologiefeldern, den Bedürfnissen bestimmter Kundengruppen oder globalen Herausforderungen wie den Sustainable Development Goals (SDGs) liegt. Diese Entscheidung erfolgt auf Grundlage der Unternehmensziele, der existierenden Kompetenzen und der aktuellen Marktdynamiken. Eine klare Ziel-Definition stellt sicher, dass die Analyse effizient und zielgerichtet durchgeführt wird und relevante Ergebnisse liefert. Im Fokus steht die zentrale Frage: Wie kann man im Rahmen vorhandener Kompetenzen ein neues Geschäftsfeld auf neuen Märkten mit neuen Angeboten erschließen?

Der Suchraum wird anhand definierter Dimensionen abgegrenzt. Beispiele für Dimensionen können sein: bestehende Produktbereiche, Wertschöpfungsstufen oder technologische Kernkompetenzen.

Fallbeispiel: Bei einem Hersteller von Mess- und Regeltechnik wurde der Suchraum so gewählt, dass der Produktbereich „Mess- und Regeltechnik“ beibehalten wird, während andere Dimensionen flexibel betrachtet werden. Ziel dieser Abgrenzung ist es, die Analyse auf relevante, realistisch erreichbare Innovationsfelder zu fokussieren.

Identifikation von Suchfeldern

Auf Basis der definierten Suchraum-Dimensionen werden mögliche Suchfelder identifiziert. Ausgangspunkte können Megatrends, Kundenbedarfe oder neue Märkte sein. Dabei wird analysiert, welche Bedürfnisfelder oder jungen Märkte mit den Kriterien des Suchraums korrespondieren. Die Suchfelder werden anschließend thematisch geordnet – etwa nach Markt- oder Technologiefokus, Position in der Wertschöpfungskette oder Anwendungsbereich. Dies liefert eine erste strukturierte Übersicht potenzieller Innovationsfelder.

Für eine entsprechende Umfeld- und Trendanalyse in diesem Schritt können u. a. das Horizon Scanning oder die Auswertung von Sekundärquellen wie Marktstudien und wissenschaftlichen Publikationen dienen. Ergänzend dazu können Stakeholder-Interviews mit Branchenexperten, Kunden oder Wissenschaftlern wertvolle Einblicke liefern. Ziel ist es, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und deren potenzielle Auswirkungen auf zukünftige Geschäftsfelder zu bewerten.

Analyse und Auswahl der Suchfelder

Die zuvor identifizierten Suchfelder werden eingehender untersucht und bewertet. Hierbei können klassische Portfoliotechniken, wie z. B. das McKinsey-Portfolio, genutzt werden, um Marktattraktivität und mögliche Wettbewerbspositionen zu analysieren. Darüber hinaus können Scoring-Modelle bei der Entscheidungsfindung unterstützen.

Folgende Aspekte sind relevant:

  • Marktpotenzial und Wachstumschancen
  • Wettbewerbssituation und Differenzierungsmöglichkeiten
  • Nachhaltigkeitsaspekt (z. B. Klimaschutz, Ressourceneinsparung, soziale Wirkung)
  • Regulatorische Rahmenbedingungen wie CO₂-Bepreisung oder Berichtspflichten nach der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)
  • Vorhandene und benötigte Kompetenzen
  • Fit mit der strategischen Ausrichtung des Unternehmens
  • Monetäre Bewertung, z. B. über NPV-Szenarien, soweit möglich

In frühen Marktphasen sind exakte Umsatzprognosen schwierig; daher gilt es, sich zunächst ein Bild über Marktgröße und Wachstum zu verschaffen. Danach wird eingeschätzt, welchen Anteil man realistisch am Markt „abgreifen“ kann, je nachdem, ob das Angebot eine starke USP besitzt oder Teil eines umkämpften Marktes ist.

Businessplan und Umsetzung

Wenn die Suchfelder als lohnend bewertet wurden, erfolgt die Konkretisierung in einem Businessplan. Dieser umfasst konkrete Innovationsoptionen wie neue Geschäftsmodelle, Produkte oder Services, die auf die identifizierten Marktbedarfe und technologischen Möglichkeiten abgestimmt sind.

Machbarkeitsanalysen, Business Cases und Pilotprojekte werden definiert. Anschließend werden die priorisierten Suchfelder und Innovationsoptionen in die Unternehmensstrategie integriert, inklusive Zeitplänen für Forschung und Entwicklung sowie Investitions- und Marketingmaßnahmen. Ein Monitoring erlaubt flexible Anpassungen an veränderte Rahmenbedingungen und stellt die langfristige Wettbewerbsfähigkeit sicher.

Definition des Suchraums eines Herstellers von Messgeräten und die Nutzung von Megastrends am Beispiel eines Automobilzulieferers

Anwendungsbeispiel

Suchfeldanalyse bei Wöllner GmbH, Ludwigshafen am Rhein

Das international tätige Chemieunternehmen Wöllner GmbH mit über 125 Jahren Tradition belieferte seine B2B-Kunden bislang über drei Geschäftsbereiche:

  • ISD – Industrial Silicates & Derivatives
  • CCC – Coatings & Construction Chemicals
  • PEC – Process Enhancement Chemicals

Um seine Zukunftsfähigkeit weiter zu stärken, startete Wöllner einen systematischen Prozess zur Identifikation neuer, nachhaltiger Geschäftsmöglichkeiten mittels einer an Nachhaltigkeit ausgerichteten Suchfeldanalyse.

1. Definition des Suchraums:

Ausgehend von den strategischen Leitplanken – Fokus auf Nachhaltigkeit, B2B-Ausrichtung und europäischer Markt – ergab sich der Suchraum wie folgt: Wertschöpfungsstufen, Kundengruppen sowie bestehende Technologien/Kernkompetenzen.

2. Identifikation von Suchfeldern:

Besonders relevant waren Felder, in denen Wöllner bereits Stärken besitzt – insbesondere seine ausgeprägte mikrobiologische Kompetenz.

3. Analyse und Auswahl:

Die Option einer probiotischen industriellen Wasserbehandlung erwies sich als besonders attraktiv: hohes Marktpotenzial und enge Anknüpfung an vorhandene Expertise.

Ökonomische und ökologische Vorteile entstehen insbesondere dadurch, dass probiotische Verfahren in vielen industriellen Anwendungen herkömmliche, biozidbasierte Wasserbehandlungen ersetzen können.

4. Businessplan und Umsetzung:

Auf dieser Basis entstand ein detaillierter Businessplan, der schrittweise umgesetzt wurde. So entstand der neue Geschäftsbereich IWT – Industrielle Wasserbehandlung, der sich schnell erfolgreich etablierte und u. a. mit dem Innovationspreis des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet wurde.

Gut zu wissen

Trends erkennen, Chancen nutzen: Suchfeldanalyse für Nachhaltigkeit

Klare, ambitionierte Nachhaltigkeitsziele

Unternehmen sollten möglichst eindeutige Nachhaltigkeitsziele formulieren, wie beispielsweise vollständige Recyclingfähigkeit aller Produkte bis 2030 oder Klimaneutralität bis 2035. So können Innovationsprojekte besser priorisiert und Ressourcen effizient eingesetzt werden, statt diese durch unklare Fokussierung zu verbrauchen.

Systematische Trend- und Marktanalyse

Eine strukturierte Beobachtung von großen Entwicklungen wie dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Steigerung von Energieeffizienz oder bei der Steuerung von Lieferketten hilft Unternehmen, Chancen frühzeitig zu erkennen. So können Innovationsfelder gezielt identifiziert und entwickelt werden, statt wichtige Trends erst dann zu erkennen, wenn Wettbewerber sich bereits auf diese eingestellt haben.

Vernetzte Zusammenarbeit über Fachbereiche hinweg

Der Einbezug unterschiedlicher Abteilungen wie Forschung, Marketing und Nachhaltigkeitsmanagement sowie externer Partner wie Zulieferer oder aus Forschungseinrichtungen sorgt für ein ganzheitliches Verständnis von Chancen und Herausforderungen. So entstehen in einem kollaborativen Umfeld innovative Lösungen, die realistisch umsetzbar sind.

Dynamische Aktualisierung

Nachhaltige Märkte und gesetzliche Vorgaben entwickeln sich schnell, etwa durch veränderte Kundenbedürfnisse oder neue Umweltvorschriften. Durch regelmäßige Überprüfung und Aktualisierung der Suchfelder bleibt die Unternehmensstrategie flexibel und zukunftssicher.

Weiterführende Informationen

Hier geht es zu weiterem Informationsmaterial

Abele, T. (2013). Suchfeldbestimmung und Ideenbewertung: Methoden und Prozesse in den frühen Phasen des Innovationsprozesses. Wiesbaden: Springer Gabler. Abgerufen am 18. September 2025 von https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-02184-9#overview

Ponn, J., Hutterer, P., Braun, T., Birkhofer, H., & Ehrlenspiel, K. (2024). Methoden der integrierten Produktentwicklung: Leitfaden für die Praxis. Hanser.

United Nations (2015): Transforming Our World: The 2030 Agenda for Sustainable Development. United Nations, New York. Abgerufen am 25. September 2025 von United Nations: https://sdgs.un.org/2030agenda

Völker, R., Thome, C. & Schaaf, H. (2012). Innovationsmanagement: Bestandteile - Theorien - Methoden. Kohlhammer.

Zapfl, D. (2018). Was sind Suchfelder? Abgerufen am 18. September 2025 von Lead Innovation: https://www.lead-innovation.com/insights/blog/was-sind-suchfelder

  

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