Horizon Scanning ist ein strukturiertes Verfahren, bei dem möglichst viele relevante Quellen nach frühen Signalen, Trends, Innovationen und Veränderungen abgesucht werden, um frühzeitig strategisch bedeutsame und disruptive Entwicklungen zu identifizieren.
Der Prozess des Horizon Scannings
Ziele und Nutzen
Frühzeitig Trends erkennen und Innovationspotenziale sichern
Frühwarnsystem
Horizon Scanning dient als Frühwarnsystem für disruptive Entwicklungen, die sich zunächst nur in Fachkreisen oder Nischenthemen abzeichnen.
So konnten Unternehmen, die bereits vor dem KI-Durchbruch Forschungsberichte zu Deep Learning oder Veröffentlichungen kleinerer KI-Start-ups beobachteten, frühzeitig Kompetenzen und Partnerschaften aufbauen und auf den Trend reagieren.
Identifikation von Innovationsfeldern
Durch die frühzeitige Beobachtung von Trends lassen sich neue Innovationsfelder wie etwa Quantencomputing, synthetische Biologie oder Kreislaufwirtschaft identifizieren.
Unternehmen können so Pilotprojekte anstoßen und sicherstellen, dass Investitionen in F&E auch zukünftige Marktpotenziale abdecken, die wesentlich für das Geschäft sind.
Strategische Absicherung
Durch das Scannen des Umfelds werden Unsicherheiten über zukünftige Entwicklungen reduziert und strategische Entscheidungen können besser fundiert werden.
Es können teure Fehleinschätzungen vermieden werden, wenn durch die Methode beispielsweise Unsicherheiten in den Lieferketten, aufgrund von geopolitischen Ereignissen, frühzeitig erkannt werden und Alternativen gefunden werden.
Kultur der Offenheit
Horizon Scanning schärft das Bewusstsein in der Organisation, externe Entwicklungen zu beobachten und wahrzunehmen. Eine solche Kultur der Offenheit und Neugier kann langfristig die Innovationsfähigkeit steigern.
Typische Vorgehensweise
Horizon Scanning: Von der Signalerfassung zur Strategieableitung
Scoping - Eingrenzen des Suchraums
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Zunächst wird der Suchraum definiert. Dabei werden die zentralen Fragen festgelegt:
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Welches Erkenntnisinteresse besteht?
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Welche zukünftigen Entwicklungen könnten relevant sein?
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Zudem wird eine Scanfeld-Definition vorgenommen, also die Bestimmung der thematischen und methodischen Grenzen der Analyse. Durch diesen Schritt wird eine strukturierte Suche nach Zukunftsthemen ermöglicht.
Planung und Operationalisierung
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Nach der Eingrenzung erfolgt die Entwicklung einer detaillierten Methodik.
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Zunächst wird ein Detailkonzept erstellt, das die konkrete Vorgehensweise festlegt.
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Darauf folgt die Auswahl geeigneter Methoden, etwa qualitativer oder quantitativer Techniken wie Trend- oder Big-Data-Analysen.
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Parallel dazu wird die Quellenauswahl getroffen, um relevante Datenquellen zu definieren.
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Optional kann in diesem Schritt eine Anbindung an Wissensmanagement-Systeme erfolgen, um die erfassten Daten systematisch zu dokumentieren.
Scanning - Sammlung und Analyse von Signalen
Der Scanning-Prozess besteht aus zwei zentralen Elementen:
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Computergestützte Analyse: Zur Durchsuchung großer Datenmengen und Identifikation von Mustern oder Trends können Verfahren wie Keyword-Suche oder Topic Modeling eingesetzt werden.
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Manuelle Signalsammlung: Parallel werden Entwicklungen aus verschiedenen Quellen zusammengetragen, die auf mögliche Veränderungen in der zukünftigen Entwicklung hinweisen.
Die Rohdaten werden anschließend in einer Gap-Analyse untersucht, um blinde Flecken oder bislang wenig beachtete Themen zu identifizieren. Die Ergebnisse werden dokumentiert, um sie für die weitere Analyse nutzbar zu machen. Ergänzend können automatisierte Verfahren eingesetzt werden, um den Suchprozess zu optimieren.
Interpretation und Antizipation von Zukunftsthemen
In dieser Phase werden die gesammelten Informationen strukturiert und interpretiert. Der Fokus liegt auf zwei Aspekten:
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Die Identifikation von Zukunftsthemen erfolgt durch eine Synthese der gesammelten Daten. Hierbei werden Muster erkannt und wichtige Entwicklungen herausgearbeitet.
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Die Antizipation von Zukunftsthemen geht darüber hinaus und versucht, mögliche zukünftige Szenarien zu entwickeln. Dieser Schritt hilft dabei, strategische Handlungsoptionen für Unternehmen oder Organisationen abzuleiten.
Hier können Verfahren eingesetzt werden, bei denen Expertinnen und Experten oder Stakeholder eingebunden werden, um die Ergebnisse zu validieren und gemeinsam Zukunftsstrategien zu entwickeln.
Transfer – Ableitung von Maßnahmen und Strategien
Im letzten Schritt werden die gewonnenen Erkenntnisse in die Praxis überführt:
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Strategieprozesse: Ableitung konkreter Maßnahmen und Innovationsstrategien zur frühzeitigen Vorbereitung auf zukünftige Herausforderungen und Chancen.
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Zukunftsdialoge: Einbindung von Experten und Stakeholdern zur Diskussion strategischer Implikationen.
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Signal- und Trendkarten: Visualisierung relevanter Entwicklungen für Entscheidungsträger.
Zusätzlich können Vertiefungsstudien durchgeführt werden, um ein kontinuierliches Monitoring relevanter Entwicklungen zu gewährleisten. Der gesamte Prozess liefert Orientierungswissen, das Unternehmen und Institutionen unterstützt, nachhaltige Innovationen zu fördern und langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Anwendungsbeispiel
Singapur: Smart City durch vorausschauende Planung
Die Smart City Planung in Singapur liefert ein konkretes Anwendungsbeispiel für Horizon Scanning. Um zukünftige städtische Herausforderungen frühzeitig zu identifizieren und gezielt darauf reagieren zu können, hat die Stadtregierung ein breit angelegtes Horizon Scanning-Programm eingeführt. Ziel dieses strategischen Vorgehens war es, potenzielle Entwicklungen und Risiken im urbanen Raum früh zu erkennen. Auf dieser Grundlage wurde das Konzept „Smart Nation“ entwickelt, ein umfassender Ansatz, der innovative Lösungen unter anderem in den Bereichen Mobilität, Energieeffizienz und digitale Bürgerdienste fördert.
Singapur nutzt dabei unter anderem KI-gestützte Tools wie das Risk Assessment and Horizon Scanning System, das große Datenmengen analysiert und Muster frühzeitig erkennt. Auf diese Weise werden sowohl unsichere Entwicklungen (z. B. wirtschaftliche Schocks oder geopolitische Veränderungen) als auch vordefinierte Trends (z. B. technologische Innovationen oder demografischer Wandel) strategisch antizipiert.
Das Beispiel verdeutlicht den Nutzen von Horizon Scanning:
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Frühwarnsystem: Ermöglicht die frühzeitige Erkennung disruptiver Entwicklungen und Singapur nutzt dafür KI-gestützte Analysen.
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Identifikation von Innovationsfeldern: Durch das systematische Beobachten technologischer und gesellschaftlicher Trends lassen sich Zukunftsthemen frühzeitig erkennen und Innovationsstrategien gezielt ausrichten. Singapur nutzt dies etwa zur Bewertung von 3D-Druck und Robotik als strategische Wachstumsfelder.
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Strategische Absicherung: In Singapur konnten durch frühzeitige Planung arbeitsmarktpolitische Maßnahmen ergriffen und wirtschaftliche Risiken abgefedert werden.
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Kultur der Offenheit: Horizon Scanning wird in Singapur nicht als einmaliges Projekt, sondern als kontinuierlicher Lern- und Entwicklungsprozess verstanden. Das schafft langfristig eine innovationsfreundliche Kultur.
Dieser vorausschauende Planungsansatz hat maßgeblich dazu beigetragen, Singapur als internationales Vorbild für eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung zu positionieren.
GovInsider. (2016). Revealed: Singapore's plans for 2050. Abgerufen am 25. September 2025 von https://govinsider.asia/intl-en/article/revealed-singapores-plans-for-2050
tantin consulting. (2025). Horizon Scanning: Zukunftssicherung für Deine Organisation. Abgerufen am 25. September 2025 von https://www.tantin.consulting/content/horizon-scanning-strategische-weitsicht
Gut zu wissen
Horizon Scanning erfolgreich gestalten: Vom klaren Fokus bis zur innovationsfördernden Unternehmenskultur
Klarer Fokus und professionelle Recherche
Ein gezielter Themenfokus – z. B. auf nachhaltige Verpackungstechnologien oder KI-gestützte Prozessautomatisierung – hilft, Quellen gezielt zu analysieren. Professionelle Recherche in wissenschaftlichen Datenbanken oder Patenten verhindert eine Informationsflut und liefert belastbare Trends.
Methodenkompetenz und analytisches Denken
Das Erkennen schwacher Signale, wie z. B. zunehmende Start-up-Gründungen im Bereich Bioplastik, erfordert Bewertungsmodelle und interdisziplinäres Denken. Ein Team aus Technik, Marktanalyse und Strategie kann solche Entwicklungen besser einordnen und strategisch bewerten als isolierte Fachabteilungen.
Regelmäßige Routinen und Kontinuität
Horizon Scanning entfaltet seinen vollen Nutzen nur durch kontinuierliche Anwendung. Feste Routinen wie monatliche Trend-Reviews, quartalsweise Scanning-Workshops oder die laufende Aktualisierung von Trend-Datenbanken sorgen dafür, dass relevante Entwicklungen rechtzeitig erkannt und strategisch genutzt werden können.
Offene Unternehmenskultur
Eine innovationsfreundliche Kultur ermutigt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, externe Impulse einzubringen – etwa durch Diskussionen zu Zukunftsthemen. Wenn z. B. ein Entwickler Hinweise auf neue Robotiktrends aus Fachkonferenzen teilt, sollte dies als wertvoller Input anerkannt und weiterverfolgt werden.
Weiterführende Informationen
Mehr Informationen finden Sie hier
Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI. (2025). Horizon Scanning. Fraunhofer ISI. Abgerufen am 25. September 2025 https://www.isi.fraunhofer.de/de/competence-center/foresight/methoden/horizon-scanning.html
Amanatidou, E., Butter, M., Carabias, V., Könnölä, T., Leis, M., Saritas, O., Schaper-Rinkel, P., & van Rij, V. (2012). On concepts and methods in horizon scanning: Lessons from initiating policy dialogues on emerging issues. Science and Public Policy, 39(2), S. 208-221. https://doi.org/10.1093/scipol/scs017
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