Ein Co‑Creation‑Workshop ist ein moderierter, meist ein‑ bis zweitägiger Sprint zur Ideenfindung, in dem heterogene Stakeholdergruppen gemeinsam Bedürfnisse erkunden, Ideen generieren und erste Konzepte verproben.
Ziele und Nutzen
Vier Vorteile von Co-Creation-Workshops für erfolgreiche Innovationen
Schnelle Bedürfnisvalidierung
Durch die Einbindung von Nutzerinnen und Nutzern in den Workshops – etwa durch Interviews oder das Testen erster Prototypen – können deren Erwartungen, Probleme und Anforderungen frühzeitig erkannt und überprüft werden.
Dies ermöglicht eine zielgerichtete Entwicklung, bei der Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen und potentielle spätere Fehlentwicklungen vermieden werden können.
Ideen- und Wissenstransfer zwischen Experten
In Co-Creation-Workshops arbeiten Personen aus unterschiedlichen Fachrichtungen – z. B. Technik, Marketing und Design – gemeinsam an Fragestellungen. Der Austausch von Perspektiven fördert kreatives Denken und sorgt dafür, dass Lösungen ganzheitlicher und praxisrelevanter werden.
So kann z. B. eine technische Idee durch vertriebliche Impulse kundenorientierter gestaltet werden oder Ideen bezüglich des Designs in Zusammenarbeit mit dem Marketingteam zu einer besseren Zielgruppenorientierung führen.
Akzeptanz und Commitment
Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Zulieferer oder andere Stakeholder aktiv am Gestaltungsprozess beteiligt sind, entsteht ein stärkeres Gefühl von Verantwortung.
Durch gemeinsame Entscheidungen, etwa in der Auswahl von Prozessveränderungen oder Vertriebskonzepten, wächst die Identifikation mit dem Ergebnis. Das steigert die Bereitschaft, die Lösung mitzutragen und umzusetzen.
Risikoreduktion
Co-Creation ermöglicht es, Ideen früh zu testen – z. B. mithilfe von Mock-ups, Storyboards oder Simulationen – und direktes Feedback zu integrieren. Dadurch werden Schwächen früh sichtbar, was kostspielige Fehlentwicklungen in späteren Phasen verhindert.
So kann z. B. ein Konzept verworfen oder angepasst werden, bevor Ressourcen in die Umsetzung fließen.
Typische Vorgehensweise
Co-Creation in fünf Schritten: So läuft ein erfolgreicher Workshop ab
Ziel und Teilnehmermix festlegen
-
Zu Beginn eines Co-Creation-Workshops wird festgelegt, welches Ziel mit der Zusammenarbeit verfolgt werden soll – z. B. die Entwicklung neuer Produktideen oder das Lösen eines konkreten Problems.
-
Auf dieser Grundlage wird entschieden, wer am Workshop teilnehmen sollte.
-
Ein gut durchdachter Teilnehmermix ist entscheidend: Neben internen Abteilungen wie Forschung & Entwicklung (F&E) und Marketing werden oft auch Kunden oder externe Akteure wie Zulieferer einbezogen. Diese Vielfalt stellt sicher, dass unterschiedliche Perspektiven in den Entwicklungsprozess einfließen.
Vorbereitung
-
Vor dem eigentlichen Workshop wird eine Vorbereitung durchgeführt, um eine Arbeitsbasis zu schaffen.
-
Dazu gehört die Analyse der Zielgruppen, etwa durch fiktive Nutzerprofile, die typische Bedürfnisse und Verhaltensweisen abbilden.
-
Ebenso werden aktuelle Markttrends und bestehende Problemlagen recherchiert.
-
Diese Erkenntnisse helfen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dabei, sich während des Workshops gezielt und realitätsnah mit den Herausforderungen auseinanderzusetzen.
Agenda und Methodenset designen
-
Ein strukturierter Ablaufplan (Agenda) und die Auswahl passender Methoden sind zentral für den Erfolg des Workshops.
-
Die Agenda legt fest, welche Schritte in welcher Reihenfolge durchlaufen werden und wie viel Zeit für jede Phase vorgesehen ist.
-
Begleitend wird ein Methodenset zusammengestellt – bspw. einfache Aufwärmübungen (Warm-Ups) zu Beginn, kreative Techniken wie das schriftliche Ideensammeln (Brainwriting) oder Verfahren zur Ideenbewertung wie das Punktesystem (Dot Voting).
-
Die Methoden werden so ausgewählt, dass sie die Zusammenarbeit fördern und zu den jeweiligen Workshop-Zielen passen.
Moderierter Workshop
Der Workshop selbst wird von einem erfahrenen Moderator geleitet, der die Gruppe durch verschiedene Phasen führt.
-
Die divergente Phase: In dieser Phase geht es darum, möglichst viele unterschiedliche Ideen zu generieren – offen, kreativ und ohne Bewertung.
-
Die konvergente Phase: Die Ideen werden geordnet, bewertet und priorisiert.
-
Die Prototyping-Phase: Erste ausgewählte Ideen werden durch einfache Modelle oder Skizzen greifbar gemacht. Diese Visualisierungen helfen, Konzepte zu konkretisieren und weiterzudenken.
Dokumentation und Follow-Up
-
Nach dem Workshop werden die Ergebnisse strukturiert aufbereitet und in einem Ergebnisbericht dokumentiert.
-
Dabei werden zentrale Ideen, getroffene Entscheidungen und geplante Umsetzungsschritte festgehalten.
-
Ebenso wichtig ist die Definition von Verantwortlichkeiten: Wer kümmert sich um die Weiterentwicklung, wer übernimmt welche Aufgaben?
-
In vielen Fällen folgt darauf ein sogenanntes Rapid Testing – ein schnelles Testen der entwickelten Ideen oder Prototypen im echten Umfeld, um Feedback zu erhalten und weitere Optimierungen vorzunehmen. So wird der Übergang von der Ideengenerierung zur konkreten Umsetzung sichergestellt.
Anwendungsbeispiel
Aus der Praxis: KI in der Qualitätskontrolle
Visuelle Bilderkennung in der Qualitätsüberwachung
Ein anschauliches Beispiel für die Anwendung von Co-Creation-Workshops findet sich im Bereich der visuellen Bilderkennung zur Qualitätsüberwachung in der Produktion. In diesem Fall brachte ein Unternehmen die Herausforderung ein, mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) die Qualitätssicherung effizienter zu gestalten. Ziel war es, zu prüfen, ob aktuelle Technologien der Bilderkennung geeignet sind, um manuelle Sichtprüfungen zu automatisieren und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entlasten.
Vorgehen im Workshop:
Das Unternehmen arbeitete gemeinsam mit einem interdisziplinären Team aus Expertinnen und Experten, Partnerfirmen und Start-ups in der sogenannten Digitalschmiede. Im Rahmen des Co-Creation-Workshops wurden zunächst vier konkrete Anwendungsfälle aus der manuellen Sichtprüfung analysiert. Dabei stand im Fokus, inwieweit KI-basierte Systeme die Prüfungen eigenständig übernehmen können. Die Zusammenarbeit zeichnete sich durch ein hohes Maß an Transparenz und Vertrauen aus, wodurch klassische Rollen von Kunde und Dienstleister in den Hintergrund traten und das gemeinsame Ziel – eine optimale Lösung – in den Mittelpunkt rückte.
Im Verlauf des mehrtägigen Workshops wurden verschiedene Lösungsansätze, technologische Machbarkeiten und potenzielle Nutzen gemeinsam evaluiert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten Zugriff auf moderne IT-Infrastrukturen, darunter lokale GPU-Server und kollaborative Roboter, um die entwickelten Ideen direkt zu testen. Durch die enge Zusammenarbeit konnten Schwachstellen, Risiken und Aufwände frühzeitig identifiziert und in die Weiterentwicklung einbezogen werden.
Ergebnisse und Mehrwert:
Am Ende des Workshops zeigte sich der Mehrwert des Co-Creation-Ansatzes besonders deutlich: Ausgehend von einer ursprünglichen Idee entstanden im Laufe des Prozesses vier neue, umsetzbare Ansätze für den Einsatz von KI in der Qualitätsüberwachung. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten von einem starken „Wir-Gefühl“ und einer klaren Vorstellung, wie das Thema weiterverfolgt werden kann. In längeren Workshops werden zudem häufig bereits erste Prototypen entwickelt, die als Grundlage für weiterführende Projekte dienen.
Axians. Co-Creation-Workshops: Im Kontext der Digitalisierung neue Netzwerke effektiv nutzen. Abgerufen am 12. Juni 2025 von https://www.axians.de/news/co-creation-workshops-digitalisierung/
Gut zu wissen
Was Sie bei der Umsetzung beachten sollten
Geschulte Moderatoren
Erfahrene Moderatorinnen und Moderatoren führen strukturiert durch den Workshop, setzen passende Kreativmethoden wie Brainwriting oder Rapid Prototyping gezielt ein und reagieren flexibel auf Gruppendynamiken. Sie schaffen eine konstruktive Atmosphäre, in der Diskussionen produktiv bleiben und die Workshop-Ziele im Blick behalten werden.
Heterogener Stakeholder-Mix
Ein sinnvoll ausgewählter Teilnehmerkreis – z. B. bestehend aus Nutzern, Entwicklern, Vertriebsmitarbeitern und externen Partnern – bringt unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen ein. Diese Vielfalt erhöht die Innovationskraft und hilft, Lösungen zu entwickeln, die tragfähig und anschlussfähig sind.
Strikte Zeitboxen und visuelle Tools
Feste Zeitvorgaben für jede Arbeitsphase helfen, den Workshop strukturiert und effizient zu gestalten. Ergänzend unterstützen einfache visuelle Hilfsmittel wie Flipcharts, Pinnwände oder vorbereitete Arbeitsblätter dabei, Gedanken sichtbar zu machen und Diskussionen zu bündeln. So bleibt die Gruppe fokussiert und Fortschritte werden für alle greifbar.
Psychologische Sicherheit
Ein wertschätzender Umgang und eine neutrale Moderation sorgen dafür, dass sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer – unabhängig von Hierarchie oder Fachbereich – sicher fühlen, ihre Gedanken zu äußern. So entstehen ehrlichere Rückmeldungen und mutigere Ideen.
Verbindliches Follow-Up
Am Ende des Workshops werden konkrete nächste Schritte, Zuständigkeiten und Zeitrahmen gemeinsam festgelegt – zum Beispiel in einem digitalen Aufgabenplan oder Ergebnisdokument, das allen Teilnehmenden zur Verfügung steht. So wird sichergestellt, dass die erarbeiteten Inhalte dokumentiert, weiterverfolgt und in den weiteren Prozess eingebunden werden.
Weiterführende Informationen
Hier lesen Sie mehr über Co-Creation
Share-Net International. (2024). Co-Creation Facilitator’s Guide. Abgerufen am 17. September 2025 von https://share-netinternational.org/wp-content/uploads/2024/03/SNI-Co-Creation- Facilitators-Guide.pdf
VAST Consortium. (2024). Conducting Effective Co-Creation Activities and Workshops. Abgerufen am 24. September 2025 von https://www.vast-project.eu/wp-content/uploads/2024/02/VAST_Booklet_Conducting-Effective-Co-creation-Activities-and-Workshops.pdf
Das könnte Sie auch interessieren
Innovationsworkshops für nachhaltigkeitsorientierte Innovation @ Worlée-Chemie GmbH
Wie lassen sich Nachhaltigkeit und Innovationskraft wirkungsvoll verbinden?
Ideenworkshops bieten Organisationen wie Worlée eine strukturierte Möglichkeit, interdisziplinäre Potenziale zu aktivieren – mit hoher Praxisnähe und messbarem Ergebnis. Durch die gezielte Einbindung interner und externer Akteure entstehen frühzeitig zukunftsweisende Lösungen, die auf reale Anforderungen ausgerichtet sind.
Industriekollaboration am Beispiel des Verbundvorhabens „WaVe“ @ Commercial Vehicle Cluster – Nutzfahrzeug GmbH
Im Projekt „WaVe – Wasserstoffbasiertes Antriebssystem für Nutzfahrzeuge“ arbeiteten 19 Partner aus Industrie und Forschung eng zusammen, um ein emissionsfreies Antriebssystem für mittlere Nutzfahrzeuge zu entwickeln.
Das durch das BMWK geförderte Projekt zeigt, wie technologische Innovation durch systemische Entwicklung und starke Netzwerke beschleunigt werden kann.
Design Thinking
Design Thinking ist ein strukturierter Innovationsansatz, der durch kreatives und analytisches Arbeiten in interdisziplinären Teams nutzerzentrierte Lösungen für komplexe Fragestellungen entwickelt. Im Zentrum steht das tiefe Verständnis der Bedürfnisse der Zielgruppe – durch direkte Beobachtung, Gespräche und Tests. Erste Ideen werden schnell als Prototypen umgesetzt, um Feedback zu gewinnen und kontinuierlich zu verbessern.
Die Methode eignet sich besonders bei unklaren oder dynamischen Herausforderungen – weit über einen einmaligen Workshop hinaus.
Quelle: Neumann Management GmbH